Wasserkuppenrundweg (FKT)

Als ich in der letzten Woche an der flachen, niederländischen Nordseeküste Strava-Segmente sammelte und dabei über nächste Herausforderungen nachdachte, kam mir der Wasserkuppenrundweg in den Sinn. Nachdem eine Woche das Überqueren von Dünen den größten Anstieg darstellte, schien mir ein langer Lauf um den höchsten Berg Hessens ein abwechslungsreicher Ausgleich zu sein.

Seit kurzem ist der Wasserkuppenrundweg auch auf fastestknowntime.com zu finden. So bin ich überhaupt erst auf diese Strecke aufmerksam geworden. 39 Kilometer und 1200 Höhenmeter machen diesen Rundweg zu einer schönen, regionalen Herausforderung. Marcel, der die Strecke auch eingereicht hat (vielen Dank!), ist sie in 03:49:10 Stunden gerannt.

Zeitlich sollte auf der Strecke noch einiges gehen.

Marcel nach seiner FKT auf dem Wasserkuppenrundweg

Da nahm ich ihn beim Wort und setzte mir ein Zeitziel von unter 3:30 Stunden.

Kühler Start in Poppenhausen

Nach einem klassischen Wettkampffrühstück (Kaffee & Clifbar) fahre ich an einem Freitagmorgen nach Poppenhausen. Um kurz vor 8 Uhr steige ich am Parkplatz im Sebastian-Kneipp-Weg aus dem Auto. Es ist so frisch, dass ich anfangs eine leichte Gänsehaut spüre. Der Parkplatz ist fast leergefegt. Ein Mann spaziert mit seinem Hund an mir vorbei, während ich meine Muskulatur aufwärme.

Die Strecke habe ich auf meiner Uhr gespeichert. Bei guter Beschilderung sollte es ausreichen, dem großen schwarzen „W“ auf weißem Hintergrund zu folgen, sage ich mir. Ich lade trotzdem die Strecke, warte und lese eine Fehlermeldung. Ich wiederhole den Vorgang und lese die Fehlermeldung erneut.

Durchatmen, nicht aufregen. Zur Sicherheit habe ich mein Handy dabei. Auch dort habe ich die Strecke gespeichert.

Und so mache ich mich um 08:13 Uhr mit dem Handy zur Navigation in der Hand auf den Weg.

Über Wiesen und Feldwege verläuft der erste Streckenabschnitt bergauf zum Guckaisee. Auf den Feldern liegt noch leichter Nebel, Morgentau kühlt meine Füße.

Das Handy verstaue ich ein paar Kurven nach dem Start in meiner Laufweste. Die Wegweiser sind hier gut angebracht und kaum zu übersehen.

Pferdskopf

Kurz vor dem Erreichen des Guckaisees ertönt der Segmentealarm meiner Uhr. Ich nähere mich dem Segment „Pferdskopf-Skyrace“. Fast versteckt führt von dem Weg, auf dem ich gerade laufe, ein kleiner Pfad in den Wald. Hier beginnt der anspruchsvolle Aufstieg zum Pferdskopf.

Auf den jetzt nächsten 800 Metern der Strecke müssen 185 Höhenmeter überwunden werden. Abwechselnd geht es über rutschige Steine und kleine Treppenstufen hinauf zum Gipfel. Wie bei jedem Segment, packt mich direkt am Anfang der Ehrgeiz. Aber schnell erinnere ich mich an Markus Worte, vor unserer FKT auf dem Rheingauer Klostersteig.

Mein Segment beginnt und endet heute auf dem Parkplatz in Poppenhausen!

…sage ich mir und reduziere das Tempo. Es wäre ein großer Fehler hier am Anfang wegen einer guten Platzierung in der Bestenliste des Segments zu viel Energie zu verlieren.

Rückblickend war das der anspruchsvollste und schönste Streckenabschnitt. Nach etwa 500 Metern verlasse ich den Wald und sehe den Gipfel des Pferdskopfs vor mir. Umgeben von Nebelschwaden renne ich auf einem kleinen Pfad hinauf.

Wasserkuppe

Der sich anschließende Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke wirkt im Vergleich zum gerade beendeten „Skyrace“ recht harmlos. Über Bergwiesen und durch Nebelschwaden laufe ich auf den höchsten Berg der Rhön und Namensgeber der Strecke – der Wasserkuppe.

Nach gut 45 Minuten erreiche ich den Besucherparkplatz. Damit liegt der längste und härteste Anstieg der Strecke hinter mir. Mit diesem guten Gefühl genieße ich die nächsten flotten Kilometer über die Quelle der Fulda zu Hessens größtem Hochmoor – dem Roten Moor.

Rotes Moor

Wegen jahrzehntelangem Torfabbau ist der innere Teil des Moores stark geschädigt. Davon sehe ich aber nichts. Umringt von alten Birken führt mich der Weg auf Holzbrettern durch die grüne Moorlandschaft.

Es folgt ein kurzer Anstieg vorbei am Besucherzentrum. Von dort aus rollt es richtig gut bergab. So gut, dass ich eine Abbiegung verpasse und meinen Fehler erst 200 Meter später bemerke. Ich drehe um und renne den Berg wieder hoch, um dem offiziellen Streckenverlauf zu folgen.

Himmeldunkberg und Simmelsberg

Nach 90 Minuten und 18 Kilometern erreiche ich die Schwendenschanze. Von hier aus ist der Himmeldunkberg, den ich gleich überqueren muss, gut zu sehen. Der Streckenverlauf lässt erahnen, dass die erholsame Zeit des Bergablaufens vorbei ist.

Zwei Kilometer später habe ich den Aufstieg geschafft. Über eine schöne Wiese renne ich wieder steil bergab. An Erholung ist nicht zu denken. Es gilt verlorene Zeit gutzumachen, bevor es erneut bergauf zum Simmelsberg geht.

Der Ausblick von diesen beiden Erhebungen ist beeindruckend. Der Panoramablick lädt zum Verweilen ein – aber nicht heute. Die Uhr läuft schließlich weiter.

Vom Gipfel des Simmelsbergs aus folgt der schwerste Abstieg der gesamten Strecke. Durch sehr hohes Gras und auf fast nicht sichtbaren, steinigen Pfaden klettere ich hinab. An Laufen ist nicht zu denken.

Ein paar hundert Meter später lasse ich das hohe Gras einigermaßen unbeschadet hinter mir und renne weiter bergab nach Gersfeld.

Endspurt

Mit dem Handy in der Hand und dem Streckenverlauf vor Augen renne ich durch das Zentrum der Stadt, um keine Abbiegung zu verpassen. Zu klein und zu versteckt sind hier die Wegweiser. Nach 27 Kilometern verlasse ich die Stadt über den Schloßpark und folge der Strecke vorbei am Wachtküppel und der Ruine Ebersburg.

Nach dem letzten größeren Anstieg in Höhe der Ruine Ebersburg, die versteckt im Wald von der Strecke aus nicht sichtbar liegt, rollt es anfangs steil, später angenehm bergab nach Poppenhausen. Um 11:33 Uhr, 3:20:36 Stunden später, stoppe ich meine Uhr.

Fazit

Immer wieder bremst mich der Blick auf mein Handy, um zu überprüfen, ob ich noch dem Streckenverlauf folge. Zu oft habe ich an entscheidenden Weggabelungen das schwarze „W“ auf dem weißem Hintergrund nicht finden können.

Im Ziel erst fällt mir auf, wie sehr meine Beine unter dem hohen Gras am Simmelsberg und auf dem Weg von Gersfeld nach Poppenhausen gelitten haben – sie sind gezeichnet von vielen roten, juckenden Flecken.

Auf dem Parkplatz wasche ich mir Gesicht, Beine und Füße. Das Wasser dafür habe ich im Auto deponiert. Start und Ziel an der Fuldaquelle wären hierfür natürlich besser gewesen. Aber die härtesten Kilometer am Ende der Strecke? Nein danke!

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl des Start-/Zielbereiches. So hatte ich die härtesten Steigungen am Anfang und konnte auf den letzten Kilometern überwiegend bergab zum Ziel rennen.

Mit guter Kenntnis der Strecke und ein bisschen mehr Motivation auf den letzten Kilometern lässt sich die Zeit sicher noch um einige Minuten verbessern. Der Wechsel zwischen asphaltierter Straße und dem typischen landwirtschaftlichem Weg auf den letzten zehn Kilometern zwischen Gersfeld und Poppenhausen hat mich etwas enttäuscht. Da habe ich abwechslungsreicheren Untergrund vermisst.


Zusammenfassung

03.07.2020, 08:13 Uhr
FKT Wasserkuppenrundweg
Wetter: 14°C, bewölkt
Distanz: 39 Kilometer
Zeit: 03:20:36 Stunden
Verpflegung: eine Ladung CLIF BLOKS und einen CLIF SHOT
Schuhe: HOKA ONE ONE Speedgoat 4

Anzeige: CLIF hat mir für dieses und noch weitere Vorhaben ein Care Paket zum Testen zur Verfügung gestellt. Das hat keinen Einfluss auf meine Darstellungen. Außer der Energie erhalte ich dafür keine Gegenleistung.