Saisonrückblick 2020

2019 war das beste Laufjahr meines Lebens. Die Formkurve stieg und ich verbesserte mich auf allen Distanzen. Es lief sehr gut, schon fast zu gut. Für 2020 hatte ich mir viel vorgenommen. Aber dann kam alles anders.

Im Februar rannte ich meine letzten Wettkämpfe. Bei der Schlammschlacht in Jügesheim verbesserte ich meine Bestzeit über 10 KM (35:50min) und gewann wenige Wochen Später die Langstrecke des Crosslaufs im Rheingau-Stadion.

Anfang März rätselte ich noch mit Katrin und Daniel im Interview für den beVegt-Podcast, ob der Frankfurter Halbmarathon stattfinden würde. Er fand statt – als eine der letzten großen Laufveranstaltungen des Jahres.

Das Coronavirus breitete sich zu diesem Zeitpunkt über Deutschland und Europa aus. Wettkämpfe wurden zwei Wochen nach unserem Gespräch abgesagt und Sportstätten geschlossen.

In den folgenden Wochen etablierten sich virtuelle Wettkämpfe. Im Rahmen der Anti-Corona-Running-League rannte ich am Rheinufer meine bisher schnellsten zehn Kilometer.

Die Form halten, weiter trainieren und gesund bleiben. Das waren die Grundsätze, nach denen ich meine Trainingswochen im April ausrichtete. Vielleicht würde es im Herbst wieder Wettkämpfe geben. Den Marathon in Amsterdam im Oktober hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschrieben.

Für mehr Abwechslung im Training und auch als Ersatz für unseren Smart, kaufte ich im Mai ein Rennrad. Damals wusste ich noch nicht, wie dankbar ich im weiteren Verlauf des Jahres über diese Entscheidung sein würde.

Im Juni steckte mich Markus mit dem FKT-Fieber an.

The best routes: what are they, who did them, and how fast?

Der Rheingauer Klostersteig war – als regionales Highlight – eine sehr schöne erste „Grenzerfahrung“. Unsere Zeit (2h 18min) wurde bereits nach sechs Tagen um nur 35s unterboten. Dieser Rekord von Matthias Krah führt bis heute die Bestenliste an.

Der Rheingau hat so viel zu bieten, besonders im Bereich Trail Running. Das wurde mir in dieser Zeit besonders bewusst.

Spontan nutzte ich einen Familienbesuch in der alten Heimat am ersten Wochenende im Juli für eine neue FKT auf dem Wasserkuppenrundweg.

Und wenige Wochen später rannten Robert, Markus und ich den Wispertaunussteig. Das sollte die letzte läuferische Herausforderung des Jahres für mich werden. Natürlich wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Im August verbrachten wir zwei Wochen mit der Familie in einem Ferienhaus an der einsamen Westküste der Normandie.

(Das ist leider nicht unser Ferienhaus, sondern eine einsame Ruine am Cap de Carteret)

Am Tag vor der Fahrt in den Urlaub war meine Motivation zu Laufen praktisch nicht vorhanden. Es war heiß, schon sehr früh am Morgen. Und ich mag diese Hitze einfach nicht.

Es würde in diesem Jahr keine Wettkämpfe mehr geben. Keine neuen Bestzeiten, keinen Marathon in Amsterdam.

Ich hatte meine läuferischen Ziele verloren und dabei vergessen, dass es nicht immer nur um neue Bestzeiten geht.

Ein harter langer Lauf stand an diesem letzten Tag vor dem Urlaub auf dem Trainingsplan (30km incl. 10 x 1km). Ich weiß noch, dass ich mich bereits während des Einlaufens schwer und unmotiviert fühlte. Die Leichtigkeit, mit der ich noch vor wenigen Wochen über hügelige Trails gelaufen bin, war verschwunden.

„Stell dir vor du wärst verletzt, dann gäbe es nichts besseres als laufen zu können.“

Das schrieb mir Markus während ich nach wenigen Kilometern auf einer Bank am Rheinufer eine Pause machte, auf das Wasser blickte und darüber nachdachte umzukehren und nach Hause zu laufen. Und er hatte ja recht. Also raffte ich mich auf und lief.

Während einer der letzten schnellen Abschnitte spürte ich zum ersten Mal einen leichten Schmerz im rechten Fuß. Ich kannte dieses Gefühl nicht. Bis nach Hause war es nicht mehr weit. Deshalb blendete ich es aus und rannte weiter. Zuhause war ich glücklich, nicht aufgegeben zu haben.

Im Urlaub spürte ich wenige Tage später beim nächsten Lauf diesen Schmerz im rechten Fuß erneut. Ein unangenehmes Stechen an der Fußsohle.

Ich dachte über eine Laufpause nach, fand aber zu viele Gründe, nicht nicht zu laufen. Die Gewohnheit, neue Segmente am Urlaubsort, das wöchentliche Entfernungsziel, der Trainingsplan…

Ich reduzierte den Trainingsumfang, zog Ruhetage vor und rannte bevorzugt auf weichem Untergrund. Und die Schmerzen wurden etwas besser.

Deshalb startete ich nach diesen zwei Entlastungswochen wieder voll durch. Schließlich fühlte sich ja alles wieder besser an.

„Es ist leider die Ignoranz, das Training nicht sofort beim ersten Schmerz zu stoppen. (…) Wenn es an einer Sehne weh tut, ist das kein Muskelkater, dann muss man aufhören. Innerhalb einer drittel Einheit kann es zu einer Verletzung kommen, die einem 2-3 Wochen Laufverbot beschert. Und wenn man dann noch weitere Einheiten trainiert, kann es sein, dass man 3-4 Monate nicht trainieren darf.“

(Dr. Paul Schmidt-Hellinger im ACHILLES RUNNING Podcast)

Diese Folge habe ich leider erst vor wenigen Wochen gehört. Danke trotzdem Paul! In wenigen Sätzen hast du meine Fehler auf den Punkt gebracht. Ich habe den Schmerz gespürt. Ich wusste, dass da etwas nicht stimmt. Aber ich habe es nicht ernst genommen.

So richtig zerstörte mich in der zweiten Woche nach dem Urlaub (ich war überzeugt, der reduzierte Umfang hätte ausgereicht, um mich wieder auf Kurs zu bringen) ein Intervalltraining auf der Bahn. Nach der sechsten Wiederholungen konnte ich keine Kurve mehr ohne starke Schmerzen laufen. Also brach ich die Trainingseinheit ab.

Endlich, leider aber viel zu spät.

Verletzungspause

Klarheit über meinen Zustand brachte eine MRT Untersuchung im September.

„partiell rupturierte Plantarfasziitis“

Meine Sehnenplatte ist entzündet und kleine Risse sind erkennbar. Die Verletzung ist nicht schwer und muss nicht operiert werden. Im Alltag habe ich keine Probleme. Heilung durch Schonung ist die Devise. Aber anstatt zwei Wochen pausiere ich inzwischen seit über zwei Monaten.

Die Einrisse verdanke ich den Einheiten, die ich nach Auftreten des ersten Schmerzes noch durchgezogen habe.


Katrin und Daniel haben auf ihrem Blog (beVegt.de) alle wichtigen Informationen zur Plantarfasziitis gut zusammengefasst. Leseempfehlung!


Mein letzter Lauf in diesem Jahr war am 20. September. Es wird der letzte bleiben. Ich werde erst wieder laufen, wenn wirklich alles verheilt ist.

Zu Gunsten des Trainingsplans habe ich die eindeutigen Signale viel zu lange ignoriert und verharmlost. Dass ich mit diesem Verhalten alles nur viel schlimmer gemacht habe, ist mir zu spät bewusst geworden.

Keine neue Bestzeit, keine neue FKT und kein neuer CR auf Strava.

In diesem außergewöhnlichen Jahr habe ich gelernt, dass es weniger auf neue Bestzeiten, FKT‘s und CR‘s auf Strava ankommt. Es ist ein großes Privileg unbeschwert und schmerzfrei laufen zu können. Und es ist alles andere, als selbstverständlich.

Jetzt gerade während meiner Zwangspause fehlt mir nicht der Blick in die Bestenlisten, sondern das Gefühl, das ich in den letzten Jahren immer wieder bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Rheingaugebirge auf einsamen, kleinen Trails hatte.

Wenn ich mit dem Rennrad ins Wispertal fahre und den Abzweig zum Hofgut Mappen passiere, erinnere ich mich an die schönen Läufe, an die Ruhe und die Abgeschiedenheit dort oben.

Ich liebe es, besonders in dieser kalten und grauen Zeit, draußen zu sein und zu laufen.

Ausblick

Durch diese wichtige Erfahrung werde ich gestärkt und zuversichtlich, die Verletzung bald hinter mir zu lassen, in das neue Jahr starten.

Die Formkurve hat dank einiger schöner, langer Ausfahrten mit dem Rennrad auch nicht zu sehr gelitten.

Wispertaunussteig (FKT)

Nach unserem gemeinsamen Erfolg auf dem Rheingauer Klostersteig und vom FKT-Fieber gepackt, war das nächste lange Abenteuer mit Markus schnell ausgemacht – der Wispertaunussteig. Wir einigten uns auf den letzten Samstag im Juli und hofften auf nicht zu heiße Temperaturen.

Ein Trail-Marathon für die Sinne

44 Kilometer, 1.230 m ↑, 1.695 m ↓

Die Strecke führt von Kemel, der höchstgelegenen Ortschaft im westlichen Taunus, bis nach Lorch am Rhein.

Besonders weil ich noch vor drei Wochen einsam auf dem Wasserkuppenrundweg unterwegs war und auch die meisten Trainingsläufe alleine absolviere, kam es mir gerade recht, dass sich unser Vereinskollege Robert dem Vorhaben anschloss und uns durch das Wispertal begleitete.

Markus hat die Höhepunkte der Strecke sehr treffend in seinem Blogpost zu diesem Abenteuer zusammengefasst. Ich konzentriere mich deshalb hier auf meine Ausrüstung und die Verpflegung.

Wie immer vor einem langen Lauf, stellte ich mir zwei wichtige Fragen:

Was esse und wie viel trinke ich unterwegs?

Wie transportiere ich das?

In der Vergangenheit habe ich bei langen Trainingsläufen und auch im Marathon sehr gute Erfahrungen mit Clifbloks und Clifshots* gemacht. Mit ausreichend Flüssigkeit sollte so auch auf dem Wispertaunussteig meine Versorgung bis ins Ziel gewährleistet sein.

Bisher packte ich meine Verpflegung zusammen mit dem Autoschlüssel, dem Handy und etwas Bargeld immer in meine Laufweste. Bis vor wenigen Wochen dachte ich, es gebe hierzu keine Alternative. Aber dann entdeckte ich die T8 Sherpa Laufshorts. Sporthunger hat sie mir dankenswerterweise in Kombination mit der T8 Commandos Unterhose für diese und zukünftige Herausforderungen zum Testen zur Verfügung gestellt.

Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Die T8 Sherpa Laufshorts ist eine Kombination aus einer leichten Sporthose und einem Laufgürtel. Am Bund der Hose sind vier Taschen integriert, in denen man besonders die Verpflegung für so ein Abenteuer gut verstauen kann.

Damit die Energiespeicher am Morgen eines Wettkampfs ausreichend gefüllt sind, esse ich am Abend zuvor etwas mehr, als üblich. Am Abend vor dem Wispertaunussteig gab es eine große Gemüsepfanne mit Erdnusstofu und Nudeln.

Mit dieser Ernährungsstrategie reicht mir am Wettkampfmorgen eine kleine Portion Haferflocken mit Hafermilch, Obst und ein paar Nüssen oder auch – wie in diesem Fall – nur eine Clifbar mit einer Tasse Kaffee, um gesättigt am Start zu stehen.

44 Kilometer ohne Laufweste

Aufgrund der logistischen Herausforderung einer Punkt-zu-Punkt-Strecke erreichten wir den Startpunkt in Kemel erst um kurz nach 9 Uhr. Gegen das leichte Magenknurren – das kleine Frühstück war inzwischen drei Stunden her – aß ich noch vor dem Start den ersten Clifshot und war bereit. Um 09:11 Uhr ging es los.

Alles für unterwegs hatte ich in meiner Hose verstaut und die Laufweste gar nicht mitgenommen. Vorne eine Softflask mit Wasser (450ml), rechts eine kleine Softflask mit Wasser (150ml), links das Handy, die Schlüsselkarte des Autos und etwas Bargeld und hinten zwei Clifshots und ein Päckchen Clifbloks.

Die große Softflask schwappte aufgrund ihres Startgewichts auf den ersten Kilometern hoch und runter. Nachdem ich die Hose fester gebunden und etwas Wasser getrunken hatte, wurde es besser. Das elastische Material der Hose sorgt dafür, dass nichts verrutscht oder herausfällt und alles eng am Körper anliegt. Die kleinere Softflask an der Seite spürte ich schnell gar nicht mehr. Perfekt!

Je mehr Kilometer verstrichen, desto mehr freute ich mich über das freie Laufgefühl und die fehlende Weste an meinem Oberkörper. Die meiste Zeit rannten wir durch schattige Wälder, abwechselnd über schmale Trails und breite Forstwege. War einer der fünf Gipfel erreicht, belohnte ich mich mit einem Cilfblok und etwas Wasser.

Lange Zeit ging es uns sehr gut. Sicher lag das am moderaten Start. So hatten wir es auf den ersten Kilometern nicht übertrieben und noch nette Unterhaltungen geführt. Wir folgten dem Streckenverlauf über kurvige Pfade, bergauf und bergab, vorbei an moosbewachsenen Felsen. Markus entdeckte sogar beim Sprung über eine Wurzel einen Geocache. Zum Ausfüllen des Logbuchs fehlte uns leider die Zeit.

Aber je weiter wir kamen, desto anstrengender und auch schwüler wurde es. Und das Wasser wurde knapp. Nach der gefühlt anstrengendsten Bergabpassage nach Sauerthal bei Kilometer 35 war meine Beinmuskulatur derart mitgenommen, dass ich erleichtert beobachtete, wie Markus und Robert auch in den schnellen Wanderschritt wechselten, als es nach dem Ortsausgang hinauf zum letzten Gipfel ging. Aber Markus kam wenige Kurven später nicht mehr aus dem Wanderschritt heraus. Sein Akku war leer. Da half auch kein Clifshot mehr.

„Der letzte Anstieg zur Hochebene mit atemberaubendem Blick über das Rheintal im Naturschutzgebiet Nollig zog mir dann aber den Stecker: ich konnte einfach nicht mehr. Die letzten acht Kilometer würden sehr lang werden. Ich schlug Johannes und Robert vor, zu zweit durchzuziehen, was beide aber ablehnten“.

Markus

Gemeinsam erreichten wir nach 4 Stunden 13 Minuten und 14 Sekunden das Ziel am Parkplatz in Lorch. Langsamer, als geplant, aber noch immer schnell genug für eine neue fastest known time!

Fazit

Der Tragekomfort der T8 Sherpa Laufshorts ist auch nach über vier Stunden noch sehr gut. Nichts scheuert und nichts zwickt. Ich werde zukünftig links und rechts an der Hüfte jeweils eine kleine Softflask verstauen und für Läufe, bei denen ich mehr als 500ml Wasser benötige, zusätzlich zur Trinkblase in der Laufweste greifen.


Zusammenfassung

25.07.2020, 09:11 Uhr
FKT Wispertaunussteig
Wetter: 16°C, sonnig (zunehmend wärmer und schwüler)
Distanz: 44 Kilometer
Zeit: 04:13:14 Stunden
Verpflegung: eine Ladung CLIF BLOKS und zwei CLIF SHOTS
Schuhe: HOKA ONE ONE Speedgoat 4 / Fotos: Robert und ich

*Anzeige: CLIF hat mir für dieses und noch weitere Vorhaben ein Care Paket zum Testen zur Verfügung gestellt. Das hat keinen Einfluss auf meine Darstellungen. Außer der Energie erhalte ich dafür keine Gegenleistung.

Fastest Known Time – Der Rheingauer Klostersteig

Wenn keine Wettkämpfe mehr stattfinden und lange geplante Ziele verschoben werden müssen, sucht man nach alternativen Herausforderungen. Wahrscheinlich erweckt fastestknowntime.com aus genau diesen Gründen gerade das Interesse so vieler Menschen.

Worum es geht?

The best routes: what are they, who did them, and how fast?

fastestknowntime.com

Jeder kann auf FKT eine besonders schöne Strecke einreichen. Man findet dort bereits weltberühmte Routen wie den Appalachian Trail, aber auch lokale Herausforderungen wie den Rheingauer Gebückwanderweg oder den Niddaradweg.

Jeder Läufer entscheidet selbst, wann und wie (supported, self-supported, unsupported) die Strecke bewältigt wird. Am Ende verifiziert FKT mit Hilfe der GPS-Aufzeichnung, ob die gelaufene Strecke mit der hinterlegten Route übereinstimmt.

Der Rheingauer Klostersteig – jetzt auch auf fastestknowntime.com

Wirklich sehr gut ausgeschildert führt der Rheingauer Klostersteig über 30 Kilometer vom Kloster Eberbach über verschiedene Ruhepunkte an den Klöstern Johannisberg, Marienthal, Nothgottes und Abtei St. Hildegard vorbei bis zur Marien Kirche nach Rüdesheim-Aulhausen.

Man läuft die meiste Zeit ungestört durch die wunderschöne Landschaft des Rheingaus, durch Wald und Tal, über schmale Trails und grüne Wiesen.

Gerade weil es bei FKT um die schnellste Zeit geht, lohnt es sich, die Strecke mindestens zwei Mal zu laufen – einmal mit und einmal ohne den Blick auf die Uhr. 😉

Die Fakten

Länge: 29,5 km

Startpunkt: Kloster Eberbach bei Eltville

Ziel: Marienkirche Rüdesheim-Aulhausen

Gesamtaufstieg: 814 Höhenmeter (aufaddiert)

Höchster Punkt: Hallgartener Zange (580 m)

Tiefster Punkt: Brücke über den Elsterbach, Johannisberg (133 m)

Höhenprofil der Strecke

Noch Fragen?

Meine Ergebnisse

24.05.20202:37:38 h
30.05.20202:28:56 h
14.06.20202:18:09 h

MÄRZ 2020 – DIE WELT STEHT STILL

Statistik

Distanz353,9 km
Zeit28h 8min
Höhenmeter3707m
Läufe32
Ruhetage5

Es ist ruhig geworden, auch hier im Rheingau. Was im letzten Monat noch unvorstellbar erschien, ist Alltag geworden. Durch die Coronavirus Pandemie hat sich in den letzten drei Wochen sehr viel verändert. Schulen und Kindergärten sind geschlossen und Restaurants haben ihren Betrieb eingestellt. Öffentliches Leben findet nicht mehr statt und nahezu jede Laufveranstaltung ist abgesagt, natürlich auch der Halbmarathon in Bonn.

Neben der allgegenwärtigen Gesundheitsgefahr steht für viele Menschen in diesen Wochen die eigene Existenz auf dem Spiel.

Anfang März habe ich Katrin und Daniel für ein Interview für den beVegt-Podcast besucht. Fast zwei Stunden haben wir uns über Laufen, Ernährung und Elektromobilität unterhalten. Sportliche Ziele und die persönlichen Herausforderungen, denen wir uns alle regelmäßig stellen müssen, erscheinen im Kontext der Pandemie völlig nebensächlich. Das hätten wir bei der Aufzeichnung des Podcasts kaum für möglich gehalten.

Mich hat es in den letzten Tagen mehr in die Weinberge und in den Wald gezogen, als an das flache Rheinufer. Dort kann man auf hügeligen Wald- und Wiesentrails, abseits frequentierter Strecken, beim Laufen gut abschalten.

Denn nach der „auch wenn der Halbmarathon nicht stattfindet trainiere ich weiter und laufe das Rennen für mich alleine“ – Phase bin ich in ein kleines Loch gefallen. Ziellos und angetrieben von der Frage, wie diese Situation unser aller Leben verändert wird, ist es mir ein paar Tage sehr schwer gefallen, mich zum Laufen zu motivieren.

Zum Glück lebe ich aber mit zwei tollen Frauen (einer großen und einer sehr kleinen, die mich gerne in ihrem Kinderwagen beim Laufen begleitet) in einem Haushalt und muss mich nicht alleine von meinem sozialen Umfeld distanzieren. Gemeinsam überstehen wird das.

Und für Kontakte zur Familie und zu Freunden gibt es ja glücklicherweise technische Unterstützung. So hat mein Opa inzwischen ein Smartphone und kann damit die Entwicklung seiner Urenkelin trotz der ausbleibenden Besuche täglich verfolgen.

Über FaceTime verbunden, haben wir seit der Einführung der Ausgangsbeschränkung zweimal wöchentlich einen Stabitrainingstermin mit Svenja und Markus. So wird aus meinem Vorsatz „mehr Fokus auf Stabi“ in diesem Jahr doch noch etwas.

Und gute Läufe gab es trotz der negativen Gedanken natürlich auch!

Die besten Läufe

Svenja und Markus hatten ihre Athleten wenige Tage vor der Ausgangsbeschränkung zu einem Laufen Hilft! Trainingstag eingeladen. Natürlich haben wir auch da bereits genug Abstand zueinander gehalten.

Markus hat mich an diesem Tag beim wahrscheinlich besten Bahntraining meines Lebens zu einer neuen Bestzeit über 5 Kilometer getrieben. In einem 6 Kilometer langen Tempowechselrennen (400 Meter in ca. 90 Sekunden / 400 Meter in ca. 80 Sekunden) passierten wir 5 Kilometer nach 17:25 Minuten – so schnell war ich auf dieser Distanz noch nie!

Als sei das nicht genug, rannten wir daran anschließend kontrolliert 5×200 Meter und zum Abschluss in Spikes die schnellsten 1000 Meter meines Lebens in 3:08 Minuten.

Ein weiteres Highlight war eine neue Bestzeit über 10 Kilometer im Training im Rahmen der Anti-Corona Running League. Ins Leben gerufen, damit Läuferinnen und Läufer ihre gute Forme nicht ins leere laufen lassen müssen. Jeder rennt dabei die festgelegte Strecke für sich und am Ende werden alle Ergebnisse virtuell zusammengeführt.

Am 21.03. rannte ich die 10 Kilometer am Rheinufer von Eltville nach Oestrich-Winkel in 35:15 Minuten (ganz alleine, GPS vermessen, handgestoppt und mit leichtem Rückenwind).

Was wohl in einem Wettkampf aktuell möglich wäre?

Ausblick?

Markus hat mich mit einer neuen Perspektive aus dem kurzzeitigen Tief geholt: eine neue Bestzeit über 5 Kilometer in 6 Wochen.

Bleibt gesund und passt auf euch auf!

FEBRUAR 2020 – DIE FORMKURVE STEIGT

Statistik

Distanz378,6 km
Zeit29h 6min
Höhenmeter2660 m
Läufe31
Ruhetage5

Heute ist Montag, der Februar ist vorbei und ich sitze mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa, während meine Tochter ihren Mittagsschlaf genießt. Das ist die ruhigste Zeit des Tages und die beste Gelegenheit in Ruhe über die vergangenen Wochen nachzudenken.

Auf meine neue Bestzeit über 10 Kilometer am Monatsanfang in Jügesheim folgte ein zweiwöchiger Ausdauerblock. Ein paar Tage dieser Übergangszeit verbrachten wir in den Niederlanden.

Gibt es hier Strava-Segmente?

Und wie lassen Sie sich in den Trainingsplan integrieren? Eine Frage, die ich mir regelmäßig im Urlaub stelle. Glücklicherweise gab es einige Segmente. Und so musste ich nur den Tempodauerlauf (15km @4’00/km) über die entsprechenden Streckenabschnitte legen, um mir neue „Kronen“ zu sichern. Das hat Spaß gemacht!

Noch schöner war das gemeinsame Auslaufen mit meinen drei Damen nach diesem harten Tempotraining.

Zum Start der Halbmarathonvorbereitung hat mir Markus einen Formtest vorgeschlagen. Die Aufgabe war einfach und gleichzeitig sehr schwer: eine Meile, einen Kilometer und 400 Meter schnellstmöglich zu rennen. Für die Meile stoppte meine Uhr 5:11 Minuten, für den Kilometer 3:09 Minuten – neue Bestzeiten für beide Distanzen. Die 400 Meter rannte ich zwar auch noch schnell, aber für einen Rekord auf dieser Strecke reichte meine Kraft nicht aus.

Die besten Läufe

Natürliche denke ich hier an die beiden sehr guten Wettkämpfe in diesem Monat (Jügesheim und Rheingau-Stadion Cross). Auch der erste Halbmarathon mit meiner Tochter hat – trotz des schlechten Wetters – unglaublich viel Spaß gemacht.

Mein Monatshighlight ist aber der gesteigerte Tempowechsellauf vom 14.02.2020:

EL – 16km TWL (1km/1km) – AL

Ich liebe Tempowechselläufe – und dieser hatte es in sich. Oft tendiere ich dazu, Tempotrainings zu schnell zu starten. Dieser unkontrollierte Ehrgeiz führt immer zu einem Kraftverlust am Ende. Deshalb war die Vorgabe hier ganz klar: Kontrolliert starten und zum Ende hin steigern. Mit 4‘05/3‘50 ging es los, nach der Hälfte erhöhte ich das Tempo auf 3‘57/3‘45 und für den letzte Tempowechsel stoppte die Uhr 3‘53/3‘27. Negativer Split!

Das faszinierende an dieser Trainingsform ist, dass sich der langsamere Tempoabschnitt wie eine Erholungspause anfühlt, obwohl er vergleichsweise schnell gelaufen wird.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. So kann es gerne weitergehen!