15 Monate mit dem Tesla Model 3 – ohne eigene Ladestation

Im Juni 2019 haben wir unseren Renault Clio gegen ein Tesla Model 3 SR+ getauscht.

Seit diesem Tag sind wir zu 100% elektrisch unterwegs. Wir waren mit dem Model 3 schon am Tegernsee, zweimal in Zeeland und zuletzt in der 1000 Kilometer entfernten Normandie im Urlaub – mit Kind, Hund und viel Gepäck. Über 30.000 Kilometer haben wir inzwischen zurückgelegt – und zwar ohne eigene Ladestation.

Trotzdem kommen wir im Alltag sehr gut zurecht. Wie das möglich ist?

Die Ausgangslage

Unser Auto parkt in einer Garage ohne Stromanschluss. Diese Garage steht nicht unmittelbar neben unserem Haus. Nachträglich dort eine Wallbox oder auch nur eine einfach Schukosteckdose zu installieren, ist möglich – aber mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Vor wenigen Tagen hat der Bundestag übigens eine Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes beschlossen, die das Installieren einer privaten Lademöglichkeit erleichtern soll.

Wir laden beim Einkaufen, wenn wir Freunde besuchen oder während wir im Zwei und Zwanzig einen Black Bean Burger essen. Wenn wir die Wahl haben, entscheiden wir uns immer für einen Parkplatz an einer öffentlichen Ladestation, um die Standzeit des Autos sinnvoll zu nutzen.

Laden beim Arbeitgeber

Meine Frau kann das Model 3 komfortabel an der Arbeit laden. Mehrere Ladesäulen stehen dort für die Mitarbeiter bereit.

Laden an öffentlichen Ladesäulen

Die öffentliche Ladeinfrastruktur wächst. In den letzten Jahren wurden in unserer Region viele neue Ladepunkte installiert. Ein Blick in das Stromtankstellenverzeichnis hilft, um eine Ladesäule zu finden und vor dem Laden zu ermitteln, wer Betreiber dieser Ladesäule ist, zu welchem Ladeverbund sie gehört und mit welchem Anbieter man dort zu welchem Preis laden kann.

Ja, ich weiß, das sind viele Informationen. Aber so kompliziert ist es nicht. Also bitte nicht kopfschüttelnd in den Verbrenner steigen und weiter zur Tankstelle fahren.

Diese Vorabrecherche machen wir nur noch in seltenen Fällen. Die meisten Ladevorgänge finden an ähnlichen Ladesäulen statt. Wir haben uns einmal mit dem Ladeangebot in unserer Region beschäftigt und laden seitdem schnell und unkompliziert.

Die überwiegende Anzahl unserer Ladevorgänge findet an Ladesäulen statt, die zum Verbund „innogy eRoaming“ gehören. Diese Ladesäulen werden vom Betreiber sinnvollerweise mit erneuerbarer Energie versorgt. In der passenden App haben wir unseren Autostromvertrag hinterlegt und bekommen pro Quartal eine Rechnung. Die einzelnen Ladevorgänge werden dort und auch in der App nachvollziehbar aufgelistet.

Mit einem Verbrauch von deutlich über 250kWh pro Quartal zahlen wir bei unserem Anbieter 24,99 Cent pro kWh. Der Durchschnittsverbrauch des Model 3 liegt bei 15,7kWh/100km – das macht etwa 4 Euro Energiekosten für 100 Kilometer.

Konkretes Beispiel: Am Montag war ich bei einem Arzt in Eltville. Statt irgendwo zu parken und ggf. noch Parkgebühren zu zahlen, habe ich an der nur wenige Hundert Meter von der Arztpraxis entfernten öffentlichen Ladesäule geparkt, um das Model 3 dort während meiner Abwesenheit zu laden.

Etwa 15 kWh später kam ich zum Auto zurück. So standen mir weitere 100 Kilometer Reichweite für die nächsten Tage zur Verfügung.

Und die Fahrt in den Urlaub?

Auch mit einer batterieelektrischen Limousine kann man komfortabel und ohne Schwierigkeiten mit Kind und Hund verreisen.

Die schmale Kofferraumöffnung ist für viele Model 3 Fahrer der größte Kompromiss – auch für uns. Aber mit einer geschickten Aufteilung kann man in den Kofferräumen sehr viel unterbringen. Sehr praktisch sind der Frunk (vorne, wo bei einem Verbrenner der Motor ist) und der tiefe Trunk (hinten, unter dem großen Kofferraum, wo sich bei einem Verbrenner Tank und Abgasanlage befinden). Das Gepäck für zwei Wochen Urlaub am Meer haben wir sicher verstauen können.

Natürlich ist eine lange Reise mit einem großen Kombi oder einem SUV komfortabler. Aber für diese eine Urlaubsfahrt im Jahr an den übrigen 350 Tagen einen großen Haufen Blech durch die Gegend zu bewegen, erschien mir noch nie sinnvoll. Das gilt übrigens auch für die Kapazität und damit das Gewicht der Batterie. Muss es wirklich die große Batterie mit der hohen Reichweite sein? Wie oft fahren wir über 300 Kilometer am Tag? Und ist es unbedingt notwendig Strecken von 400 Kilometern ohne Pause zurückzulegen?

Das Model 3 SR+ hat mit 54 kWh die geringste Batteriekapazität, die Tesla momentan anbietet. Für die Urlaubsfahrt bedeutet das, etwa alle 250 Kilometer eine Ladepause einzuplanen, also alle zwei bis drei Stunden. Für uns ist dieser Abstand perfekt. Supercharger ansteuern, aussteigen, Kabel einstöpseln, fertig. Der Ladevorgang startet automatisch und die Pause kann beginnen. Einfacher geht es nicht.

Nur selten haben wir es auf unseren Langstreckenfahrten übrigens geschafft, die vom Auto vorgegebenen Ladezeiten einzuhalten – besonders, wenn die jüngste Mitfahrerin gerne eine frische Windel möchte.

Stichwort Wickeln! In unseren Nachbarländern sind Supercharger weniger auf Autobahnraststätten zu finden, sondern vielmehr auf Hotelparkplätzen in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Während das Auto dort lädt, kann man die Hoteltoiletten benutzen – auch zum Wickeln.

Auf unserer letzten Langstreckenfahrt haben wir vier Ladepausen gemacht (42, 35, 29 und 16 Minuten). Für die fast 1000 Kilometer lange Strecke haben wir insgesamt 13 Stunden benötigt und 32,48 Euro an Tesla für das Nachladen am Supercharger gezahlt.

Fazit

Für uns ist die Batteriekapazität des Model 3 SR+ optimal. Wir nutzen jede Ladepause sinnvoll aus und sind im Alltag mit der realistischen Reichweite von 270 bis 330 Kilometern noch nie in Schwierigkeiten geraten. Und mit der Einführung der neuen V3-Supercharger wird sich die Ladezeit, auch für das Model 3 SR+, nochmal um einige Minuten reduzieren. Für uns bedeutete das in erster Linie dann noch weniger Zeit für unsere Pausenaktivitäten, aber das ist ok.

Insgesamt bestätigen sich die geringen Unterhaltungskosten. Klassische Inspektionen gibt es nicht. Wenn dem Auto etwas fehlt, meldet es sich. Und das hat es bisher nur getan, als eine Schraube im Reifen steckte.

Zwei Luftfilter für den Innenraum habe ich vor kurzem bestellt. Die haben 38 Euro gekostet und sollen alle zwei Jahre gewechselt werden. Austauschen kann ich die selbst, es gibt eine Videoanleitung. Tesla will wirklich nicht, dass Kunden in die Werkstatt kommen.

Und weil die Frage immer wieder kommt: die Reichweite der Batterie hat sich nicht verändert. Es gibt glaubhafte Laboranalysen, die für die in unserem Model 3 verbaute Batterie eine Lebensdauer von 1500 bis 3000 Ladezyklen angeben – je nach Beanspruchung. Damit kommt das Fahrzeug dann zwischen 500.000 und 1 Millionen Kilometer weit. Ich denke nicht, dass wir so viel damit fahren werden.


Anmerkung: Weder von Tesla, noch von einem anderen Unternehmen, bekomme ich für diese Darstellung eine finanzielle Gegenleistung. Mein einziger Vorteil sind 1500 Kilometer kostenfreies Laden am Supercharger, falls irgendjemand über meinen Weiterempfehlungs-Link auch einen Tesla bestellt. Das war‘s.

VOM TWIZY ZUM TESLA

Auf der Suche nach mehr Zufriedenheit hilft nicht der Kauf der neusten Laufuhr und auch kein Tesla. Warum wir trotzdem ein Model 3 gekauft haben, erkläre ich hier.

Im Sommer 2016 fuhren meine Frau und ich nach Frankfurt. Tesla hatte uns zu einer Probefahrt eingeladen. Wenige Tage davor rief mich eine Mitarbeiterin von Tesla an, um letzte Details zu besprechen. In diesem Gespräch verdeutlichte ich mein großes Interesse, erklärte aber auch, dass ich mir niemals ein Fahrzeug für 100.000 Euro kaufen werde. Sie lachte und versprach mir, dass Tesla langfristig auch günstigere Fahrzeuge verkaufen werde. Es gehe nur um einen ersten Eindruck und eine persönliche Erfahrung mit einem Elektroauto – mehr nicht. Also trafen wir uns im Service Center zur Probefahrt. Als wir in das Tesla Model S P85 einstiegen, ahnte niemand von uns, dass drei Jahre später ein Model 3 in unserer Garage stehen würde. Wie konnte es dazu kommen?


Rückblickend betrachtet, kam ich über die Umweltauswirkungen unserer westlichen Lebensweise mit der Elektromobilität und dem Veganismus in Berührung. Sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden ist ein Prozess. In dieser Phase stellen die meisten Menschen viele Tatsachen fest, die sie vorher eine lange Zeit erfolgreich verdrängt haben. Es gibt ethische, ökologische und gesundheitliche Gründe für den Veganismus.

Durch den Film COWSPIRACY wurden mir die Umweltauswirkungen meines Konsumverhaltens und meiner Art zu Leben bewusst. Die Folgen der industriellen Tierhaltung auf unseren Planeten schockierten mich. Aber ich erkannte auch, dass nahezu unser kompletter Lebensstil auf Erdöl basiert und dass wir über die Hälfte von diesem Rohstoff täglich in unseren Fahrzeugen verbrennen. Die Konsequenz dieser Erkenntnis war sehr einfach.

Das Auto verkaufen und mit dem Fahrrad fahren

Weil ich damals schon von der E-Mobilität begeistert war, musste es ein E-Bike werden. Rückblickend betrachtet wäre ein einfaches Rennrad für den 25 Kilometer langen, flachen Arbeitsweg eine bessere Entscheidung gewesen.

Ich fuhr etwa neun Monate von August bis April mit dem Rad zur Arbeit. Und ich hatte Spaß dabei. Ungefähr zeitgleich entdeckte ich meine Leidenschaft für das Laufen und begann im Winter 2016/2017 mit meiner ersten Marathonvorbereitung. Das erforderte viel Zeit. Letztlich war es der Zeitgewinn von einer Stunde pro Arbeitstag, der mich vom Rad zurück zum Auto brachte. Aber ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kam nicht mehr in Frage.

Auch wenn man heute noch nach einem günstigen Einstieg in die Elektromobilität sucht, kommt man an einem Fahrzeug nicht vorbei – dem Renault Twizy. Seit 2011 am Markt und gebraucht ab ca. 4000€ zu haben.

Der Twizy am Rheinufer

Ungefähr 1,5 Jahre und über 15.000 Kilometer war dieses kleine Gefährt unsere erste Wahl bei allen Fahrten im Umkreis von 50 Kilometern. Der Twizy war perfekt! Kaum eine Parklücke war zu klein. Sehr viele Menschen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie hören, dass der Twizy eine Reichweite von ca. 100 Kilometern hat (im Winter auch mal weniger als 70 Kilometer). Im Vergleich zu einem vollgetankten Verbrenner ist das natürlich sehr wenig. Aber für die allermeisten Fahrten ist das ausreichend.

Unsere Fahrzeuge sind Stehzeuge.

Sie verbringen die meiste Zeit des Tages in der Garage oder auf Parkplätzen. Wenn Elektroautos an diesen Plätzen eine Lademöglichkeit haben, spielt die Reichweite für den täglichen Gebrauch der meisten Menschen keine Rolle mehr. Und dem Twizy reicht eine einfache Schukosteckdose.

Wir haben den Twizy, bis auf die 200 Kilometer lange, abenteuerliche Überführungsfahrt, im 50 Kilometer-Radius um unsere „Heimsteckdose“ eingesetzt. Bandick, der mit seinem Twizy eine Europatour gemacht hat, und Otto, der von München zum Nordkapp gefahren ist, sind nur zwei Beispiele für besondere Twizy-Fahrer, die zeigen, dass dieses Fahrzeug mehr als nur ein Pendlerfahrzeug sein kann.

Im September 2018 ersetzten wir den Twizy durch einen gebrauchten Smart mit Elektromotor. In unserer Region und am Arbeitsplatz meiner Frau wurde zu dieser Zeit die Ladeinfrastruktur ausgebaut. Der Wechsel war eine Entscheidung für deutlich mehr Komfort zu einem geringen Aufpreis – im Winter war so manche Fahrt ohne echte Seitenscheiben und ohne Heizung eine Herausforderung.

Der Smart an einer öffentlichen Ladesäule in Mainz

Als kleine Familie mit Hund blieb aber weiterhin die Frage nach einem elektrischen Familienauto bestehen. Seit Jahren warte ich auf einen elektrischen Kombi – bis heute vergeblich. VW hat vor ein paar Wochen den ID. Space Vizzion vorgestellt – die Studie eines Kombis, der 2021 auf die Straße kommen soll.

Im Sommer 2019 standen wir an einem Wendepunkt unserer individuellen Mobilität. Unsere Tochter war gerade geboren und unser Familienauto, ein Renault Clio (Kombi!) mit Verbrennungsmotor, war zu klein. Verkaufen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen? Möglich, aber nur mit großem Aufwand. Einen größeren Verbrenner kaufen? Nein, dann lieber mit Bus und Bahn fahren!


Die größte Entscheidungshilfe über die Zukunft unserer individuellen Mobilität lieferte uns Tesla am 12. April 2019. Über Nacht und sehr überraschend führte Tesla in Deutschland die Bestelloption für ein Model 3 in der günstigeren Version „Standard-Reichweite Plus“ ein.

Tesla steht für die Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energie und ist damit aus meiner Sicht ein unterstützenswertes Unternehmen. Seit der einleitend erwähnten Probefahrt verfolge ich Teslas Entwicklung sehr interessiert.

Wenige Tage nach der Einführung dieser Modellvariante bestellten wir vom Sofa aus (online, mit dem Smartphone!) unser Tesla Model 3 und verabschiedeten uns damit vom Verbrennungsmotor.

Das Geheimnis hinter dem Weg vom Twizy zum Tesla ist kein Lottogewinn.

Für uns war der Vergleich der Gesamtkosten über den erwarteten Nutzungszeitraum des Fahrzeuges kaufentscheidend. Während ein (gebrauchtes) Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit niedrigen Anschaffungskosten punktet, holt das Elektroauto während der Nutzung durch geringen Wartungs- und Energiekosten wieder auf. Deshalb lohnt es sich, über die bloße Betrachtung der Kaufpreise beider Antriebsarten hinaus zu rechnen.

Diese Berechnung ist immer individuell. Aber der hier dargestellte Vergleich zeigt ganz deutlich, wo die Stärken des Elektroautos liegen: In geringen Wartungs- und Energiekosten. Das Model 3 gewinnt die Rechnung sogar gegen einen – bezogen auf Leistung und Ausstattung – nicht vergleichbaren Renault Clio mit Verbrennungsmotor.

Bereits zweieinhalb Monate nach der Bestellung fuhren wir bei hochsommerlichen Temperaturen mit dem Zug nach Frankfurt, um im Tesla Service Center an der Hanauer Landstraße unser neues Auto abzuholen.

Wie die ersten sechs Monate mit dem Model 3 verliefen, ob die Kosten für Energie und Wartung wirklich so gering sind und wieso ich nie wieder einen Verbrenner kaufen werde – dazu nächste Woche mehr auf LIVE HOW YOU RUN!

Anmerkung: Weder von Tesla, noch von einem anderen Unternehmen, bekomme ich für diese Darstellung eine finanzielle Gegenleistung. Mein einziger Vorteil sind 1500 Kilometer kostenfreies Laden am Supercharger, falls irgendjemand über meinen Weiterempfehlungs-Link auch einen Tesla bestellt. Das war‘s.