7 GRÜNDE, UM MIT DEM RAD ZUR ARBEIT ZU PENDELN

Weniger Dinge zu besitzen, bedeutet für mich mehr Zeit, mehr Geld, mehr Platz und mehr Möglichkeiten zu haben. Es macht mich freier und zufriedener. Wer weniger besitzt, kann mehr leben.

Christof Herrmann (einfachbewusst.de)

Im Frühjahr 2017 hörte ich auf mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. In den kalten und nassen Wintermonaten davor kamen zwar einige schöne Kilometer zusammen, aber am Ende wollte ich schneller zuhause sein und ersetzte das Fahrrad durch ein kleines Fahrzeug – einen Renault Twizy.

Seit diesem Umstieg hat sich viel verändert. Unsere Tochter kam zur Welt, ich habe meine Arbeitszeit reduziert und meine Bereitschaft für sportliche Herausforderungen ist deutlich gestiegen.

Momentan haben wir zwei Fahrzeuge. Ein Tesla Model 3 und einen Smart Fortwo – zwei Elektroautos. Und seit dem Beginn der Corona-Krise werden diese Fahrzeuge kaum noch bewegt.

Dieser Zustand und die 100. Folge des CLEANELECTRIC-Podcasts (danke Volker Quaschning!) waren für mich der Auslöser unser Mobilitätsverhalten grundsätzlich zu überdenken und zu hinterfragen.

Mobilitätsgewohnheiten überprüfen

In Deutschland werden immer mehr Fahrzeuge zugelassen. Die Statistiken erzielen Jahr für Jahr neue Rekorde. Aber damit unsere Städte in naher Zukunft nicht kollabieren und wir die Klimaziele erreichen, müssen wir den Fahrzeugbestand insgesamt deutlich reduzieren.

Für uns steht fest: ein Familienauto ist genug! Wir werden unseren Alltag auf absehbare Zeit gut mit einem Auto – dem Tesla Model 3 – gestalten können. Und für mehr Flexibilität steige ich wieder auf das Fahrrad.

Grundlagenausdauer verbessern

Während ich vorher pro Arbeitstag mindestens eine Stunde sitzend im Auto verbracht habe, kann ich nun die Fahrt zur Arbeit als Trainingseinheit nutzen und an meiner Grundlagenausdauer arbeiten – auch um läuferisch die nächste Stufe zu erreichen.

Neue Regionen entdecken

Neben den Fahrten zur Arbeit möchte ich ein bis zwei wöchentliche Trainingseinheiten auf dem Rad absolvieren. In meinem Strava-Feed motivieren mich einige Leute schon seit Wochen mit ihren Radfahraktivitäten endlich auch auf das Fahrrad zu steigen und neue, unbekannte Strecken zu entdecken – darauf freue ich mich besonders.

7 Gründe, um mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln

  1. Wir reduzieren unseren ökologischen Fußabdruck.
  2. Der Arbeitsweg wird zur ergänzenden Trainingseinheit
  3. Auch wenn die Fahrzeit etwas länger wird, haben wir insgesamt mehr Zeit. Ladesäulenspaziergänge, Reifenwechsel, Fahrten zur Waschanlage, zur Werkstatt und zum TÜV fallen weg. Und weil die Pendelfahrt auch das Potential hat eine Trainingseinheit zu ersetzen, spare ich auch in diesem Bereich Zeit.
  4. Wir geben weniger Geld für unsere Mobilität aus. Ein Auto verursacht nicht nur in der Anschaffung, sondern auch in der Unterhaltung Kosten. Die Ausgaben für die Instandhaltung eines Elektroautos sind zwar geringer, als für einem vergleichbaren Verbrenner, liegen aber erheblich über den Kosten, die für die Pflege eines Rennrads zusammenkommen.
  5. Ich sitze weniger. Bewegung vor der Arbeit erhöht die Leistungsfähigkeit, Bewegung nach der Arbeit fördert die Entspannung.
  6. Ich verbringe mehr Zeit in der Natur. Meine Pendelstrecke verläuft überwiegend auf Radwegen und Straßen direkt am Rheinufer.
  7. Ich überwinde in einem neuen Bereich die persönliche Bequemlichkeit und etabliere eine neue Gewohnheit.

APRIL 2020 – #TRAINALONEORSTAYATHOME

Distanz408,1 km
Zeit32h 1min
Höhenmeter3846 m
Läufe42
Ruhetage2

Über 400 gelaufenen Kilometer, drei virtuelle Wettkämpfe und zwei inoffizielle neue Bestzeiten. Der April war ein guter Monat!

Nachdem vor kurzem bereits der Berlin-Marathon abgesagt wurde, wird es immer wahrscheinlicher, dass wir in diesem Jahr keine großen Laufveranstaltungen mehr sehen werden. Sportlichen Herausforderungen können wir uns aber auch ohne die Teilnahme an einem Wettkampf stellen. Jeder für sich.

Für mich lag in den letzten vier Wochen der Schwerpunkt auf dem Verbessern von Segmenten auf Strava und auf neuen (in)offiziellen Bestzeiten.

Die besten Läufe

Im Rahmen der Anti-Corona-Running-League habe ich meine Bestzeit über eine Meile (5:08 Minuten) und 5 Kilometer (17:07 Minuten) verbessern können. Das angestrebte Jahresziel über die 5-Kilometer-Distanz ist damit nur noch 8 Sekunden entfernt.

Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme am virtuellen Rennen #WechselzoneVR20. Der Wechselzonepodcast hatte seine Hörer eingeladen, am Osterwochenende auf verschiedenen Distanzen alleine und auf einer selbst bestimmten Strecke die persönliche Form in einem Rennen gegen sich selbst zu testen. Weil mich ein schneller Marathon im weiteren Trainingsverlauf zu einer Pause gezwungen hätte, habe ich mich für schnelle 10 Kilometer entschieden. Die rannte ich in 35:29 Minuten und wurde mit dieser Zeit der schnellster Teilnehmer dieses virtuellen Rennens. Vielen Dank für die Herausforderung und besonders für die Medaille, die ich ein paar Tage später in meinem Briefkasten fand – vielleicht die einzige in diesem Jahr!

Ausblick

In vier Wochen werden Markus und ich einen weiteren 5-Kilometer-Tempo-Test absolvieren – in hoffentlich unter 17 Minuten!

Mein neues Rennrad kommt in wenigen Tagen. Es soll unseren Zweitwagen ersetzen, meine Grundlagenausdauer verbessern und mich zu einem schnelleren Läufer machen. Wie das gelingt? Ich werde davon berichten!

MÄRZ 2020 – DIE WELT STEHT STILL

Statistik

Distanz353,9 km
Zeit28h 8min
Höhenmeter3707m
Läufe32
Ruhetage5

Es ist ruhig geworden, auch hier im Rheingau. Was im letzten Monat noch unvorstellbar erschien, ist Alltag geworden. Durch die Coronavirus Pandemie hat sich in den letzten drei Wochen sehr viel verändert. Schulen und Kindergärten sind geschlossen und Restaurants haben ihren Betrieb eingestellt. Öffentliches Leben findet nicht mehr statt und nahezu jede Laufveranstaltung ist abgesagt, natürlich auch der Halbmarathon in Bonn.

Neben der allgegenwärtigen Gesundheitsgefahr steht für viele Menschen in diesen Wochen die eigene Existenz auf dem Spiel.

Anfang März habe ich Katrin und Daniel für ein Interview für den beVegt-Podcast besucht. Fast zwei Stunden haben wir uns über Laufen, Ernährung und Elektromobilität unterhalten. Sportliche Ziele und die persönlichen Herausforderungen, denen wir uns alle regelmäßig stellen müssen, erscheinen im Kontext der Pandemie völlig nebensächlich. Das hätten wir bei der Aufzeichnung des Podcasts kaum für möglich gehalten.

Mich hat es in den letzten Tagen mehr in die Weinberge und in den Wald gezogen, als an das flache Rheinufer. Dort kann man auf hügeligen Wald- und Wiesentrails, abseits frequentierter Strecken, beim Laufen gut abschalten.

Denn nach der „auch wenn der Halbmarathon nicht stattfindet trainiere ich weiter und laufe das Rennen für mich alleine“ – Phase bin ich in ein kleines Loch gefallen. Ziellos und angetrieben von der Frage, wie diese Situation unser aller Leben verändert wird, ist es mir ein paar Tage sehr schwer gefallen, mich zum Laufen zu motivieren.

Zum Glück lebe ich aber mit zwei tollen Frauen (einer großen und einer sehr kleinen, die mich gerne in ihrem Kinderwagen beim Laufen begleitet) in einem Haushalt und muss mich nicht alleine von meinem sozialen Umfeld distanzieren. Gemeinsam überstehen wird das.

Und für Kontakte zur Familie und zu Freunden gibt es ja glücklicherweise technische Unterstützung. So hat mein Opa inzwischen ein Smartphone und kann damit die Entwicklung seiner Urenkelin trotz der ausbleibenden Besuche täglich verfolgen.

Über FaceTime verbunden, haben wir seit der Einführung der Ausgangsbeschränkung zweimal wöchentlich einen Stabitrainingstermin mit Svenja und Markus. So wird aus meinem Vorsatz „mehr Fokus auf Stabi“ in diesem Jahr doch noch etwas.

Und gute Läufe gab es trotz der negativen Gedanken natürlich auch!

Die besten Läufe

Svenja und Markus hatten ihre Athleten wenige Tage vor der Ausgangsbeschränkung zu einem Laufen Hilft! Trainingstag eingeladen. Natürlich haben wir auch da bereits genug Abstand zueinander gehalten.

Markus hat mich an diesem Tag beim wahrscheinlich besten Bahntraining meines Lebens zu einer neuen Bestzeit über 5 Kilometer getrieben. In einem 6 Kilometer langen Tempowechselrennen (400 Meter in ca. 90 Sekunden / 400 Meter in ca. 80 Sekunden) passierten wir 5 Kilometer nach 17:25 Minuten – so schnell war ich auf dieser Distanz noch nie!

Als sei das nicht genug, rannten wir daran anschließend kontrolliert 5×200 Meter und zum Abschluss in Spikes die schnellsten 1000 Meter meines Lebens in 3:08 Minuten.

Ein weiteres Highlight war eine neue Bestzeit über 10 Kilometer im Training im Rahmen der Anti-Corona Running League. Ins Leben gerufen, damit Läuferinnen und Läufer ihre gute Forme nicht ins leere laufen lassen müssen. Jeder rennt dabei die festgelegte Strecke für sich und am Ende werden alle Ergebnisse virtuell zusammengeführt.

Am 21.03. rannte ich die 10 Kilometer am Rheinufer von Eltville nach Oestrich-Winkel in 35:15 Minuten (ganz alleine, GPS vermessen, handgestoppt und mit leichtem Rückenwind).

Was wohl in einem Wettkampf aktuell möglich wäre?

Ausblick?

Markus hat mich mit einer neuen Perspektive aus dem kurzzeitigen Tief geholt: eine neue Bestzeit über 5 Kilometer in 6 Wochen.

Bleibt gesund und passt auf euch auf!

BUCKET LIST

Vor etwa zwei Wochen habe ich Katrin und Daniel in Frankfurt besucht. Die beiden hatten mich zu einem Interview für den beVegt-Podcast eingeladen. Heute, am 19. März 2020, wurde die Folge veröffentlicht.

Wir haben über das Laufen, meinen Weg zum Veganismus und unsere Vorstellung von der Mobilität der Zukunft gesprochen.

Seit diesem Interview ist sehr viel passiert. Das Coronavirus verbreitet sich mit rasender Geschwindigkeit auf der ganzen Welt, die WHO hat Europa als Epizentrum erklärt und die Maßnahmen, um die Verbreitung zu verlangsamen, werden täglich verschärft.

Das alles hätten wir vor zwei Wochen bei der Aufzeichnung des Podcasts niemals für möglich gehalten. Heute, im Schatten dieser großen Katastrophe, erscheinen unsere Themen und meine persönlichen Herausforderungen absolut bedeutungslos.

Wir alle erleben gerade radikale Einschränkungen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich am Tag meinen Twitterfeed aktualisiere und wie oft ich überprüfe, ob die neue Folge des Podcasts mit Dr. Christian Drosten schon erschienen ist. Mir fällt es sehr schwer das Geschehen nicht in Echtzeit zu verfolgen.

Wenn es euch ähnlich geht und ihr zwischen neuen Meldungen und der Frage, wie sich das alles noch entwickeln wird, für etwa zwei Stunden auf andere Gedanken kommen möchtet, hört euch die Folge an. Vor zwei Wochen war unsere Welt noch eine andere.


Im Gespräch mit Katrin und Daniel konnte ich die Frage nach persönlichen Zielen und Wettkämpfen, die ich in meinem Leben noch erreichen beziehungsweise laufen möchte, nur halbherzig beantworten. Noch auf dem Rückweg nach der Aufzeichnung beschloss ich, bis zur Veröffentlichung der Folge eine Bucket List zu schreiben.

Und hier ist sie.

Wenn wir diese weltweite Krise überstanden haben, wird es auch wieder reizvolle Wettkämpfe geben. Die Zeit für neue Bestzeiten wird wieder kommen.

Aber bis dahin kommt es nur darauf an, dass jeder von uns durch verantwortungsvolle Entscheidungen den Verlauf dieser Krise verlangsamt.

Passt auf euch auf, hört auf die Wissenschaft und bleibt zuhause.

Letztes Update: 19.03.2020


MarathonAndere Laufevents
HamburgBrüder-Grimm-Lauf
FrankfurtRodgau Ultramarathon
BremenKopenhagen Halbmarathon
AmsterdamVenlo Halbmarathon
RotterdamUltra Trail del Lago d’Orta
DingleRennsteiglauf
ParisWettkampf mit meiner Tochter im Babyjogger
London
Wien
Berlin
Kopenhagen
Mont Saint-Michel
Helgoland
Stockholm
Tromsø, Midnight Sun
Interlaken, Jungfrau
Davos
Rom

Länder
Niederlande
Dänemark
Belgien
USA
Frankreich
Schweden
Norwegen
Irland
England
Schottland
Österreich
Schweiz
Italien

Ziele

Marathon unter 02:40 Stunden
Halbmarathon unter 75 Minuten
10 Kilometer unter 34 Minuten
50 Kilometer unter 03:20 Stunden

FEBRUAR 2020 – DIE FORMKURVE STEIGT

Statistik

Distanz378,6 km
Zeit29h 6min
Höhenmeter2660 m
Läufe31
Ruhetage5

Heute ist Montag, der Februar ist vorbei und ich sitze mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa, während meine Tochter ihren Mittagsschlaf genießt. Das ist die ruhigste Zeit des Tages und die beste Gelegenheit in Ruhe über die vergangenen Wochen nachzudenken.

Auf meine neue Bestzeit über 10 Kilometer am Monatsanfang in Jügesheim folgte ein zweiwöchiger Ausdauerblock. Ein paar Tage dieser Übergangszeit verbrachten wir in den Niederlanden.

Gibt es hier Strava-Segmente?

Und wie lassen Sie sich in den Trainingsplan integrieren? Eine Frage, die ich mir regelmäßig im Urlaub stelle. Glücklicherweise gab es einige Segmente. Und so musste ich nur den Tempodauerlauf (15km @4’00/km) über die entsprechenden Streckenabschnitte legen, um mir neue „Kronen“ zu sichern. Das hat Spaß gemacht!

Noch schöner war das gemeinsame Auslaufen mit meinen drei Damen nach diesem harten Tempotraining.

Zum Start der Halbmarathonvorbereitung hat mir Markus einen Formtest vorgeschlagen. Die Aufgabe war einfach und gleichzeitig sehr schwer: eine Meile, einen Kilometer und 400 Meter schnellstmöglich zu rennen. Für die Meile stoppte meine Uhr 5:11 Minuten, für den Kilometer 3:09 Minuten – neue Bestzeiten für beide Distanzen. Die 400 Meter rannte ich zwar auch noch schnell, aber für einen Rekord auf dieser Strecke reichte meine Kraft nicht aus.

Die besten Läufe

Natürliche denke ich hier an die beiden sehr guten Wettkämpfe in diesem Monat (Jügesheim und Rheingau-Stadion Cross). Auch der erste Halbmarathon mit meiner Tochter hat – trotz des schlechten Wetters – unglaublich viel Spaß gemacht.

Mein Monatshighlight ist aber der gesteigerte Tempowechsellauf vom 14.02.2020:

EL – 16km TWL (1km/1km) – AL

Ich liebe Tempowechselläufe – und dieser hatte es in sich. Oft tendiere ich dazu, Tempotrainings zu schnell zu starten. Dieser unkontrollierte Ehrgeiz führt immer zu einem Kraftverlust am Ende. Deshalb war die Vorgabe hier ganz klar: Kontrolliert starten und zum Ende hin steigern. Mit 4‘05/3‘50 ging es los, nach der Hälfte erhöhte ich das Tempo auf 3‘57/3‘45 und für den letzte Tempowechsel stoppte die Uhr 3‘53/3‘27. Negativer Split!

Das faszinierende an dieser Trainingsform ist, dass sich der langsamere Tempoabschnitt wie eine Erholungspause anfühlt, obwohl er vergleichsweise schnell gelaufen wird.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden. So kann es gerne weitergehen!