Ritterschlag auf dem Rheingauer Klostersteig (FKT)

Sonntag, 05:45 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, gehe in die Küche und trinke ein Glas Wasser. Auf dem Tisch liegt eine Clif Bar – mein erstes Frühstück. Mehr brauche ich heute Morgen erstmal nicht. Heute ist steht ein Rennen im Kalender.

Noch 90 Minuten bis zum Start

Gemeinsam mit Markus will ich meine alte „fastest known time“ (FKT) auf dem Rheingauer Klostersteig verbessern. Vor zwei Wochen habe ich für die 29,2 Kilometer lange Strecke 2:28 h gebraucht. Heute wollen wir das in 2:20 h schaffen. Ob es uns gemeinsam gelingen wird über 8 Minuten schneller zu sein? Fast 900 Höhenmeter müssen überwunden werden.

Wir trinken eine Tasse Kaffee und überprüfen ein letztes Mal, ob zwischenzeitlich eine neue FKT für den Rheingauer Klostersteig eingereicht wurde – das ist nicht der Fall. Alles bleibt so, wie geplant.

Noch 45 Minuten bis zum Start

Meine Vorfreude steigt. Zähne putzen und ein letzter Schluck Wasser. Anschließend schlüpfen wir in unsere gepackten Laufwesten – Vorbereitung ist alles – und fahren zum Start. Wir hätten auch zum Start laufen können, aber dann wäre der Lauf mindestens ein Marathon geworden und damit hätte sich der Fokus von einer schnellen Zeit auf dem Rheingauer Klostersteig verschoben.

Noch 20 Minuten bis zum Start

Wir erreichen den Parkplatz am Kloster Eberbach. So früh am Sonntagmorgen ist es hier noch vollkommen ruhig. Keine Menschen, kaum parkende Autos.

Auch das Wetter hätte an einem Sonntag im Juni nicht besser sein können. Bewölkter Himmel, etwa 18°C und Wind aus nordwestlicher Richtung. Der Boden ist noch etwas nass vom Regen der letzten Nacht. Kühle, frische Luft weht uns aus dem Wald entgegen.

Wir gehen zur Infotafel an den Startpunkt, starten die GPS Suche und sind wenige Sekunden später bereit. Um 07:26 Uhr drücken wir den Startknopf unserer GPS Uhr. Es geht los!

Die Wand am Kloster

Der Name des nur etwa 100 Meter langen Segments kurz nach dem Start ist Programm. Mit einer Steigung von 19,6 % geht es auf einem kleinen Trail bergauf. Wer die Distanz in weniger als 1:25 Minuten zurücklegt, holt sich die Krone. Wir sind einige Sekunden langsamer. Einzelne Strava-Segmente stehen heute nicht im Vordergrund.

Mein Segment endet heute in Aulhausen.

Markus, kurz vor dem Start.

Hinauf zur Hallgarter Zange

Nach vier Kilometern erreichen wir über teils schmale und steinige Trails den höchsten Punkt der gesamten Strecke – die Hallgarter Zange. Einige Stürme haben dem Wald dort oben in den letzten Monaten sehr zugesetzt. Wir haben Glück und müssen heute nicht über einen umgestürzten Baum klettern (wie ich bei meinem ersten Versuch vor einigen Wochen auf dem folgenden Foto).

Wir laufen locker weiter. Ich trinke einen kleinen Schluck Wasser und esse den ersten Clifblok. Viel Zeit zum Erholen bleibt aber nicht. Wir wollen schließlich unser Zeitziel erreichen.

Auf einem schmalen Trail, über kleine Wurzeln und große Steine lassen wir voll konzentriert die Hallgarter Zange hinter uns und rennen mit hohem Tempo bergab.

Es folgt ein flotter Kilometer auf einem Forstweg, da führt uns der Streckenverlauf schon auf den nächsten Trail. Noch schneller rennen wir hier über zwei Kilometer hinunter zu den Pfingstbachwiesen. Gerade an die Geschwindigkeit gewöhnt, bremst uns nach neun Kilometern der nächste knackige Anstieg aus. Es folgt ein letzter, schöner kurzer Trail, bevor wir nach etwa elf Kilometern nördlich von Oestrich-Winkel den Wald verlassen.

Panoramablick auf dem Weg nach Johannisberg

Auf den nächsten Kilometern sind wir größtenteils ungeschützt der Sonne ausgesetzt – nur nicht heute. Der Himmel ist noch immer bewölkt, die Temperatur, nicht wie auf dem vier Wochen alten Foto, angenehm kühl.

Vorbei am Schloss Johannisberg und durch den gleichnamigen Ort folgen wir dem Elsterbach zum Kloster Marienthal. Dort erwartet uns der Ketteler Steig. 100 Meter und eine Steigung von 21,4 %. Wir reduzieren unser Tempo und gehen auch ein paar Meter. Oben angekommen lässt sich so das Tempo wieder schnell erhöhen. Genau die richtige Strategie. Auf den nächsten fünf Kilometern, vorbei am Kloster Nothgottes, bauen wir unseren Vorsprung auf meine alte Bestzeit deutlich aus.

Der letzte harte Anstieg

So lassen wir auch die Abtei St. Hildegard viel früher hinter uns, als ich erwartet hätte. Noch vor der 2-Stunden-Grenze haben wir den letzten harten Anstieg geschafft. Für die letzten vier Kilometer verbleiben 18 Minuten, um das Ziel in 2:20 h zu erreichen.

Mit Vollgas auf dem letzten Trail bergab ins Ziel

Wir rennen in einem großen Bogen um den Ebentaler Ponyhof, queren die L3454 (hier nicht die versteckte Einfahrt verpassen!) und verlassen die Straße zum letzten, schmalen Klostersteigtrail nach Aulhausen. Wir haben Glück und werden hier nicht von entgegenkommenden Wanderern ausgebremst. Nur der schlammige Untergrund kostet uns wenige Sekunden, hindert uns aber nicht daran, den letzten Kilometer in 3:30 Minuten zu rennen.

Um 09:44 Uhr, nach 2:18:09 h, stoppen wir unserer Uhren.

Geschafft.

Gemeinsam waren wir stark.


Zusammenfassung

14.06.2020, 07:26 Uhr
FKT Rheingauer Klostersteig, (Nr. 3)
Wetter: 18°C, bewölkt, windig
Distanz: ca. 29,2 Kilometer
Zeit: 2:18:09 Stunden
Verpflegung: CLIF BLOKS Margarita Citrus
Schuhe: HOKA ONE ONE Clifton 6

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