3 GRÜNDE 2020 KEINEN NEUEN VERBRENNER ZU KAUFEN

„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Kaiser Wilhelm II. über die Zukunft der Mobilität

Kaiser Wilhelm II. war überzeugt, das Pferd sei noch lange Zeit das beste Fortbewegungsmittel. Er glaubte an die alte, bewährte „Technologie“ und zweifelte am Erfolg des Neuen. Wie falsch er damit lag, sehen wir heute Tag für Tag: Autos prägen das Straßenbild. Wir befinden uns gegenwärtig in einer ähnlichen Situation. Das Zeitalter des Verbrennungsmotors neigt sich dem Ende und die Elektromobilität steht vor dem großen Durchbruch.

„Aber Elektroautos sind schlecht für die Umwelt, im Winter bleibt man damit liegen, die Reichweite ist zu gering und Tesla sowieso bald pleite“ – so oder so ähnlich beginnen auch 2020 noch viele Gespräche über Elektromobilität. Die Batterieforschung stehe noch ganz am Anfang, man warte dort noch auf einen großen Durchbruch und was ist überhaupt mit Wasserstoff?

Die meisten dieser Stammtischargumente haben keine Substanz und verlieren jede sachliche Auseinandersetzung. Ähnlich wie bei dem Thema Veganismus sind in den letzten Jahren rund um die Elektromobilität viele Mythen entstanden.

Wer gerade über den Kauf eines neuen Fahrzeugs nachdenkt, stolpert bei seiner Recherche über diese Aussagen. Warum es falsch ist, sich davon verunsichern zu lassen und – wie der alte deutsche Kaiser – auf die alte Technologie zu setzen, statt sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, und wieso ich nie wieder zurück zum Verbrenner möchte, werde ich in diesem Blogpost erklären.

Eine Entscheidung für Klimaschutz

Unser Leben beeinflusst die Umwelt und jeder Mensch verbraucht durch seine bloße Existenz Ressourcen. Durch gezielte Entscheidungen können wir die negativen Auswirkungen unseres Lebens auf die Natur verkleinern. Der Verzicht auf tierische Produkte und auf Flugreisen hat einen sehr großen Einfluss auf die persönliche Klimabilanz. Wer hierzu mehr Informationen lesen möchte, kann das im kürzlich erschienenen Blogpost zum Klimawandel von Markus machen.

Das Elektroauto löst nicht die Umweltprobleme der Welt und das Ziel sollte auch nicht sein, alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch solche mit Elektromotor zu ersetzen. Vielmehr müssen wir den weltweiten Fahrzeugbestand reduzieren und die Autos effizienter nutzen. Wer sein Auto verkauft und auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad umsteigt, bewirkt deutlich mehr, als jemand, der sich ein Elektroauto kauft.

Mich beeindruckt und inspiriert jede Geschichte von autofrei lebenden Familien, aber für uns ist ein autofreies Leben – Stand 2020 – nicht praktikabel. Wir sind (noch) nicht bereit dazu.

Wenn wir sagen, etwas sei gut für die Umwelt, dann meinen wir damit üblicherweise, dass dieses Verhalten weniger schädlich ist als der Status Quo.

Jan Hegenberg, „Der Graslutscher“

Gegenwärtig verbrauchen die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weltweit etwa 16 Milliarden Liter Erdöl – pro Tag. Mit der Erdölgewinnung sind massive Umweltschäden verbunden. Soziale Ungerechtigkeiten, Tankerunglücke, Bohrunfälle und geopolitische Konflikte haben in den vergangen Jahrzehnten diese Energieform geprägt.

Wenn wir die Umweltauswirkungen der Herstellung von Elektroautos kritisieren, müssen wir uns also gleichzeitig fragen, ob die gegenwärtige Form der individuellen Mobilität umweltfreundlicher ist – das ist sie nicht.

Das Elektroauto steht überwiegend wegen des Wasserverbrauchs bei der Gewinnung von Lithium, dem Abbau von Kobalt im Kongo durch Kinderarbeit und wegen des erhöhten Energiebedarfs bei der Herstellung des Akkus in der Kritik.

Für das Lithium in einem Akku mit der Kapazität von 64 kWh (unser Tesla Model 3 SR+ hat 54 kWh) benötige man etwa 3840 Liter Wasser, so das Ergebnis einer Studie des Helmholtz-Instituts für elektrochemische Energiespeicherung. Für die Produktion von 250 Gramm Rindfleisch wird eine ähnliche Wassermenge benötigt.

Für die Förderung von Kobalt haben wir uns Jahrzehnte nicht interessiert. Selbstverständlich ist Kinderarbeit trotzdem verwerflich und es ist dringend erforderlich, dass wir – nicht nur mit dem Blick auf diesen Rohstoff – etwas gegen den Ausbeutung von Menschen unternehmen. Aber Kobalt wird nicht erst seit der Massenfertigung von Elektroautos gefördert. Wir brauchen einen viel größeren Teil der weltenweiten Fördermenge für die Entschwefelung von Kraftstoffen (!), zum Färben und bei der Herstellung von Magneten. Der Kobaltanteil im Akku eines Elektroautos ist heute schon sehr gering. Tesla hat angekündigt, zukünftig bei der Herstellung des Akkus immer mehr auf diesen Rohstoff zu verzichten.

Bleibt noch die Frage nach dem „CO2-Rucksack“, der bei der Produktion des Akkus entsteht. Der Akku für unser Tesla Model 3 wurde in der Tesla Gigafactory in Nevada hergestellt – klimaneutral mit Solarstrom. Eine klimaneutrale Herstellung und Nutzung des Elektroautos durch den Einsatz von regenerativer Energie ist möglich. Sono Motors verlegt die Produktion ihres Elektroautos deshalb extra nach Schweden, um das Fahrzeug dort mit einhundert Prozent erneuerbarer Energie zu bauen. Das ist ein großer Vorteil von Elektroautos. Das Verbrennen von Benzin und Diesel wird weiter CO2 in die Atmosphäre bringen und der Verkehrssektor kann nicht klimaneutral werden, wenn wir weiter auf Verbrennungsmotoren setzen.

Benzin und Diesel entstehen auch nicht an der Tankstelle. Die hochindustriellen Prozesse vor dem Kraftstoffverkauf an der Zapfsäule verbrauchen riesige Energiemengen, die ebenfalls CO2 verursachen. Falls ihr eine klimaneutrale Ölraffinerie kennt, schreibt mir den Link dazu in die Kommentare.

„Das was wir momentan in Verbrennungsmotoren tun, ist der absolute Wahnsinn. Wir schaffen es, von einer endlichen und knappen Ressource, um die wir Kriege führen und die immer schwieriger zu fördern wird, ungefähr 20 Prozent in das umzuwandeln, was wir brauchen – Bewegungsengerie.“

Lars Thomsen, Zukunftsforscher

Lars Thomsen ist Zukunfts- und Trendforscher. Bei einem Vortrag im September 2013 in Graz sprach er über die Zukunft der Automobilindustrie und verdeutlichte die um ein vielfaches höhere Effizienz eines Elektroautos – verglichen mit der eines Verbrenners.

Eine Entscheidung für die Zukunft

Aber es geht bei dieser Betrachtung nicht nur um die bessere Nutzung der zur Verfügung stehenden Energie. Wann habt ihr zuletzt einen Film in einer Videothek ausgeliehen oder eine CD gekauft? Im Jahr 2007 hatte Nokia 34 verschiedene Mobilfunkgeräte auf dem Markt und war einer der größten Anbieter der Branche. Dann stellte Steve Jobs im gleichen Jahr das iPhone vor, Nokia wartete ab und schaffte es letztlich nicht mehr Apple einzuholen.

Wenn eine neue Technologie besser als die alte ist, wird sie die alte Technologie ablösen. Es gibt unzählige Beispiele dafür. Die analoge und die digitale Fotografie, Videotheken und Streamingdienste, das Tastentelefon und das Smartphone, …

„If a trend becomes obvious – you are too late

Elon Musk

Die politischen Forderungen nach Technologieoffenheit gefährden die Automobilindustrie in ähnlicher Form, wie das Abwarten der Firma Nokia vor einigen Jahren. VW-Chef Herbert Diess warnte in diesem Zusammenhang vor dem „iPhone-Moment“. Die Zeit der klassischen Automobilhersteller sei vorbei, erklärte er vor kurzem. Man liest immer wieder, die Elektromobilität gefährde tausende Arbeitsplätze in Deutschland. Das ist grundsätzlich richtig. Viele Berufe, besonders im Bereich der Zulieferer, werden für den Bau von Elektrofahrzeugen nicht mehr benötigt. Es werden aber auch viele neue Arbeitsplätze entstehen. Wenn wir weiter abwarten und mit ablehnender Haltung auf diese neue Technologie reagieren, gefährden wir alle Arbeitsplätze in der Automobilindustrie.

Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer der größten Veränderungen ihrer Geschichte.

Die Transformation vom Verbrennungs- zum Elektromotor hat schon längst begonnen. 2012 lieferte Tesla erstmalig Fahrzeuge aus. Es waren etwas über 2.700 Stück. Seitdem steigerten sich die weltweiten Auslieferungen auf 367.500 Fahrzeuge im Jahr 2019 – ein gigantisches Wachstum. Und während Tesla die Verkaufszahlen Jahr für Jahr verdoppelt und immer neuere Maßstäbe in der Batterie- und Fahrzeugtechnologie setzt, sinken die Verkaufszahlen herkömmlicher Fahrzeuge. In den USA wurden 2019 mehr Tesla Model 3 verkauft, als 3er BMW, Mercedes C-Kasse und Audi A4 zusammen, unsere Nachbarn in den Niederlande haben gerade einen regelrechten Auslieferungsmarathon hinter sich und in Norwegen hat fast jedes zweite neuzugelassene Fahrzeug einen Elektromotor.

Ich bin kein Zukunftsforscher und habe keinen beruflichen Hintergrund im Bereich der Marktwirtschaft. Trotzdem erkenne ich in dieser Entwicklung ein Muster. Die Nachfrage nach Elektroautos wird sich in den nächsten Jahren so entwicklen, wie sich die Tesla-Aktie in den letzten Wochen entwickelt hat.

Eine Entscheidung für geringe Unterhaltskosten und Alltagstauglichkeit

Geringe Wartungs- und Energiekosten sind die Stärken eines Elektroautos. Das habe ich in meinem letzten Blogpost schon angedeutet. Weniger bewegliche Teile, weniger wartungsbedürftige Flüssigkeiten und regenerative Bremsen reduzieren die Wartungslast eines Elektroautos. Die Fahrzeugwartung, ein großes Geschäftsmodell der etablierten Hersteller, spielt bei Elektroautos keine große Rolle mehr.

„Im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Benzinmotor erfordert Ihr Tesla weder Ölwechsel, Zündkerzen- oder Kraftstofffilteraustausch noch Abgasuntersuchungen. Selbst das Erneuern der Bremsbeläge ist nur selten notwendig, denn als Elektrofahrzeug bremst Ihr Tesla regenerativ, d.h. durch den Elektromotor, der mit der beim Bremsen erzeugten Energie die Batterie lädt.“

tesla.com

Tesla vermittelt sogar den Eindruck, man wolle, dass die Fahrzeuge der Kunden möglichst selten in ein Service Center kommen. Für den Klimaanlagenservice – hier wird das Trockenmittel ersetzt, um die Lebensdauer der Klimaanlage zu unterstützen und ihren Wirkungsgrad aufrechtzuerhalten – empfiehlt Tesla beispielsweise für das Model 3 einen gigantischen Wartungsintervall von sechs Jahren.

Auch die Akkus der Fahrzeuge sind für eine hohe Laufleistung konzipiert und – wie bei einem Handy oder Laptop – nicht nach zwei Jahren Schrott. Das bestätigen nicht nur interne Tests, sondern auch Fahrer in der Praxis. Vor wenigen Wochen wurde die eine Million Kilometer Grenze mit einem Tesla Model S überschritten.

Während Autohäuser und Werkstätten also mit dem Wandel zur Elektromobilität deutlich weniger Geld verdienen werden, werden Fahrzeugbesitzer auf der anderen Seite von diesen geringen Kosten profitieren.

Und was kostet der Strom für 100 Kilometer im Elektroauto?

Die Antwort auf diese Frage ist abhängig vom Ladeort des Elektroautos. Am einfachsten lädt man sein Fahrzeug zuhause über den eigenen (Öko-) Stromtarif und bestenfalls mit selbst produziertem Solarstrom. Aber auch 2020 gibt es noch einige kostenlose Ladepunkte. Für die ersten 15.000 Kilometer in unserem Tesla Model 3 haben wir ungefähr 50 Euro für Strom ausgeben müssen. Das liegt größtenteils an zwei kostenlosen Ladesäulen in unserem Ort. Auch im Stadtgebiet Mainz kann man seit über einem Jahr sein Elektroauto kostenlos laden und meiner Frau stehen an ihrem Arbeitsplatz mehrere kostenlose Ladesäulen zur Verfügung. Auf der Langstrecke profitieren wir noch von kostenlosem Strom am Supercharger durch eine Weiterempfehlung.

Es gibt viele verschiedene Betreiber öffentlicher Ladesäulen und entsprechend unterschiedliche Anbieter von Ladetarifen. Das Stromtankstellenverzeichnis von GoingElectric hilft bei der Suche nach einer (kostenlosen) Ladesäule und das Online-Magazin emobly liefert im monatlich erscheinenden Ladekarten-Kompass einen guten Überblick über die größten Anbieter von Ladetarifen und über deren Preise.

Der günstigste Preis liegt dort aktuell bei 0,29€/kWh. Der Durchschnittsverbrauch unseres Model 3 seit der Auslieferung vor fast sieben Monaten liegt bei 16,0 kWh/100km. Das ergibt 4,64€ für 100 Kilometer. Abhängig von Fahrweise, Außentemperatur und Streckenprofil sind 3-6 Euro realistische Kosten. Die Energiekosten eines vergleichbaren Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor sind mehr als doppelt so hoch.

Die Geschichte von hunderten liegengebliebenen Elektroautos im winterlichen Mega-Stau ist ein Märchen. Auch im Winter ist das Elektroauto alltagstauglich – wieso sollte sonst jeder zweite Norweger ein Elektroauto kaufen? Der Energieverbrauch ist höher, als im Sommer, aber darauf kann man sich gut einstellen. Statt 330 Kilometer fährt unser Model 3 im Winter etwa 250 Kilometer mit einem auf 90 % geladenen Akku. Man kann auch im imaginären Mega-Stau viele Stunden den Innenraum heizen, ohne bereits die Nummer des nächsten Abschleppunternehmens herauszusuchen.

Im Dezember lag unser monatlicher Durchschnittsverbrauch bei 18,4 kWh. Im Sommer waren es 14-16 kWh. Bereits als das Thermometer am Anfang der letzten Woche zweistellige Temperaturen anzeigte, sank der Durchschnittsverbrauch auf sagenhafte 12,5 kWh. Das zeigt, wie stark der Einfluss der Außentemperatur auf den Energieverbrauch und damit auf die Reichweite ist.

Aber auch eine Reichweite von „nur“ 250 Kilometer ist für uns noch immer mehr, als wir an den meisten Tagen benötigen. Mit einer Steckdose oder Wallbox am Stellplatz oder in der Garage lässt sich das Fahrzeug komfortabel über Nacht aufladen. Parken, Ladekabel anschließen – fertig! Am nächsten Morgen stehen dann wieder mindestens 250 Kilometer zur Verfügung.

Aber mit 250 Kilometern im Akku komme ich nicht in den Urlaub!

Für die meisten Urlaubsfahrten trifft diese Aussage zu. Wir waren in den letzten Monaten mit dem Model 3 an der niederländischen Nordseeküste, in Nürnberg und am Tegernsee. Und während keiner einzigen Fahrt hatte ich Angst, das Ziel nicht zu erreichen. 2020 muss niemand mehr „Reichweitenangst“ haben – Tesla-Fahrer erst recht nicht.

Mit dem Supercharger-Ladenetz hat Tesla das Elektroauto langstreckentauglich gemacht. Diese Karte zeigt bestehende Supercharger Standorte (rot) und in 2020 geplante Standorte (grau). Für bis 2017 verkaufte Fahrzeuge ist das Laden an diesen Standorten kostenlos. Je nach Land variieren die Kosten für nach 2017 verkaufte Modelle aktuell zwischen 0,24 und 0,34€/kWh. Durch Weiterempfehlungen erhält man kostenloses Supercharging Guthaben (aktuell Strom für 1500 Kilometer)

Fazit

Wer 2020 einen Auto mit Verbrennungsmotor kauft, muss damit rechnen, dass dieses Fahrzeug in wenigen Jahren wertlos ist. Fahrverbote, Grenzwerte und steigende Kosten für Kraftstoff (CO2 Steuer) und auf der anderen Seite immer günstiger zu produzierende Elektrofahrzeuge werden den Verbrennungsmotor zunehmend unattraktiver machen. Genau wie heute niemand mehr ein Mobiltelefon mit Tasten kaufen möchte, wird in naher Zukunft niemand mehr ein Fahrzeug mit einem Auspuff kaufen wollen – und zwar noch bevor diese Antriebsart politisch verboten wird. Warum sollte man auch viel Geld für die bewährte Technologie ausgeben, wenn die Alternative technologisch überlegen, umweltfreundlicher, einfacher in der Herstellung, insgesamt günstiger und vor allem eine echte Chance zur Reduzierung der Treibhausgase auf dem Weg zur Klimaneutralität ist?


Anmerkung: Weder von Tesla, noch von einem anderen Unternehmen, bekomme ich für diese Darstellung eine finanzielle Gegenleistung. Mein einziger Vorteil sind 1500 Kilometer kostenfreies Laden am Supercharger, falls irgendjemand über meinen Weiterempfehlungs-Link auch einen Tesla bestellt. Das war‘s.