VOM TWIZY ZUM TESLA

Auf der Suche nach mehr Zufriedenheit hilft nicht der Kauf der neusten Laufuhr und auch kein Tesla. Warum wir trotzdem ein Model 3 gekauft haben, erkläre ich hier.

Im Sommer 2016 fuhren meine Frau und ich nach Frankfurt. Tesla hatte uns zu einer Probefahrt eingeladen. Wenige Tage davor rief mich eine Mitarbeiterin von Tesla an, um letzte Details zu besprechen. In diesem Gespräch verdeutlichte ich mein großes Interesse, erklärte aber auch, dass ich mir niemals ein Fahrzeug für 100.000 Euro kaufen werde. Sie lachte und versprach mir, dass Tesla langfristig auch günstigere Fahrzeuge verkaufen werde. Es gehe nur um einen ersten Eindruck und eine persönliche Erfahrung mit einem Elektroauto – mehr nicht. Also trafen wir uns im Service Center zur Probefahrt. Als wir in das Tesla Model S P85 einstiegen, ahnte niemand von uns, dass drei Jahre später ein Model 3 in unserer Garage stehen würde. Wie konnte es dazu kommen?


Rückblickend betrachtet, kam ich über die Umweltauswirkungen unserer westlichen Lebensweise mit der Elektromobilität und dem Veganismus in Berührung. Sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden ist ein Prozess. In dieser Phase stellen die meisten Menschen viele Tatsachen fest, die sie vorher eine lange Zeit erfolgreich verdrängt haben. Es gibt ethische, ökologische und gesundheitliche Gründe für den Veganismus.

Durch den Film COWSPIRACY wurden mir die Umweltauswirkungen meines Konsumverhaltens und meiner Art zu Leben bewusst. Die Folgen der industriellen Tierhaltung auf unseren Planeten schockierten mich. Aber ich erkannte auch, dass nahezu unser kompletter Lebensstil auf Erdöl basiert und dass wir über die Hälfte von diesem Rohstoff täglich in unseren Fahrzeugen verbrennen. Die Konsequenz dieser Erkenntnis war sehr einfach.

Das Auto verkaufen und mit dem Fahrrad fahren

Weil ich damals schon von der E-Mobilität begeistert war, musste es ein E-Bike werden. Rückblickend betrachtet wäre ein einfaches Rennrad für den 25 Kilometer langen, flachen Arbeitsweg eine bessere Entscheidung gewesen.

Ich fuhr etwa neun Monate von August bis April mit dem Rad zur Arbeit. Und ich hatte Spaß dabei. Ungefähr zeitgleich entdeckte ich meine Leidenschaft für das Laufen und begann im Winter 2016/2017 mit meiner ersten Marathonvorbereitung. Das erforderte viel Zeit. Letztlich war es der Zeitgewinn von einer Stunde pro Arbeitstag, der mich vom Rad zurück zum Auto brachte. Aber ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kam nicht mehr in Frage.

Auch wenn man heute noch nach einem günstigen Einstieg in die Elektromobilität sucht, kommt man an einem Fahrzeug nicht vorbei – dem Renault Twizy. Seit 2011 am Markt und gebraucht ab ca. 4000€ zu haben.

Der Twizy am Rheinufer

Ungefähr 1,5 Jahre und über 15.000 Kilometer war dieses kleine Gefährt unsere erste Wahl bei allen Fahrten im Umkreis von 50 Kilometern. Der Twizy war perfekt! Kaum eine Parklücke war zu klein. Sehr viele Menschen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie hören, dass der Twizy eine Reichweite von ca. 100 Kilometern hat (im Winter auch mal weniger als 70 Kilometer). Im Vergleich zu einem vollgetankten Verbrenner ist das natürlich sehr wenig. Aber für die allermeisten Fahrten ist das ausreichend.

Unsere Fahrzeuge sind Stehzeuge.

Sie verbringen die meiste Zeit des Tages in der Garage oder auf Parkplätzen. Wenn Elektroautos an diesen Plätzen eine Lademöglichkeit haben, spielt die Reichweite für den täglichen Gebrauch der meisten Menschen keine Rolle mehr. Und dem Twizy reicht eine einfache Schukosteckdose.

Wir haben den Twizy, bis auf die 200 Kilometer lange, abenteuerliche Überführungsfahrt, im 50 Kilometer-Radius um unsere „Heimsteckdose“ eingesetzt. Bandick, der mit seinem Twizy eine Europatour gemacht hat, und Otto, der von München zum Nordkapp gefahren ist, sind nur zwei Beispiele für besondere Twizy-Fahrer, die zeigen, dass dieses Fahrzeug mehr als nur ein Pendlerfahrzeug sein kann.

Im September 2018 ersetzten wir den Twizy durch einen gebrauchten Smart mit Elektromotor. In unserer Region und am Arbeitsplatz meiner Frau wurde zu dieser Zeit die Ladeinfrastruktur ausgebaut. Der Wechsel war eine Entscheidung für deutlich mehr Komfort zu einem geringen Aufpreis – im Winter war so manche Fahrt ohne echte Seitenscheiben und ohne Heizung eine Herausforderung.

Der Smart an einer öffentlichen Ladesäule in Mainz

Als kleine Familie mit Hund blieb aber weiterhin die Frage nach einem elektrischen Familienauto bestehen. Seit Jahren warte ich auf einen elektrischen Kombi – bis heute vergeblich. VW hat vor ein paar Wochen den ID. Space Vizzion vorgestellt – die Studie eines Kombis, der 2021 auf die Straße kommen soll.

Im Sommer 2019 standen wir an einem Wendepunkt unserer individuellen Mobilität. Unsere Tochter war gerade geboren und unser Familienauto, ein Renault Clio (Kombi!) mit Verbrennungsmotor, war zu klein. Verkaufen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen? Möglich, aber nur mit großem Aufwand. Einen größeren Verbrenner kaufen? Nein, dann lieber mit Bus und Bahn fahren!


Die größte Entscheidungshilfe über die Zukunft unserer individuellen Mobilität lieferte uns Tesla am 12. April 2019. Über Nacht und sehr überraschend führte Tesla in Deutschland die Bestelloption für ein Model 3 in der günstigeren Version „Standard-Reichweite Plus“ ein.

Tesla steht für die Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energie und ist damit aus meiner Sicht ein unterstützenswertes Unternehmen. Seit der einleitend erwähnten Probefahrt verfolge ich Teslas Entwicklung sehr interessiert.

Wenige Tage nach der Einführung dieser Modellvariante bestellten wir vom Sofa aus (online, mit dem Smartphone!) unser Tesla Model 3 und verabschiedeten uns damit vom Verbrennungsmotor.

Das Geheimnis hinter dem Weg vom Twizy zum Tesla ist kein Lottogewinn.

Für uns war der Vergleich der Gesamtkosten über den erwarteten Nutzungszeitraum des Fahrzeuges kaufentscheidend. Während ein (gebrauchtes) Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit niedrigen Anschaffungskosten punktet, holt das Elektroauto während der Nutzung durch geringen Wartungs- und Energiekosten wieder auf. Deshalb lohnt es sich, über die bloße Betrachtung der Kaufpreise beider Antriebsarten hinaus zu rechnen.

Diese Berechnung ist immer individuell. Aber der hier dargestellte Vergleich zeigt ganz deutlich, wo die Stärken des Elektroautos liegen: In geringen Wartungs- und Energiekosten. Das Model 3 gewinnt die Rechnung sogar gegen einen – bezogen auf Leistung und Ausstattung – nicht vergleichbaren Renault Clio mit Verbrennungsmotor.

Bereits zweieinhalb Monate nach der Bestellung fuhren wir bei hochsommerlichen Temperaturen mit dem Zug nach Frankfurt, um im Tesla Service Center an der Hanauer Landstraße unser neues Auto abzuholen.

Wie die ersten sechs Monate mit dem Model 3 verliefen, ob die Kosten für Energie und Wartung wirklich so gering sind und wieso ich nie wieder einen Verbrenner kaufen werde – dazu nächste Woche mehr auf LIVE HOW YOU RUN!

Anmerkung: Weder von Tesla, noch von einem anderen Unternehmen, bekomme ich für diese Darstellung eine finanzielle Gegenleistung. Mein einziger Vorteil sind 1500 Kilometer kostenfreies Laden am Supercharger, falls irgendjemand über meinen Weiterempfehlungs-Link auch einen Tesla bestellt. Das war‘s.

4 Kommentare zu „VOM TWIZY ZUM TESLA

  1. Wieder sehr interessant geschrieben. Deine Überlegungen zum Sion von Sonos Motors und wie diese Story ausgegangen ist, würde mich noch interessieren.
    Die Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer zu rechnen ist aber nachvollziehbar ein guter Ansatz, hab ich noch nie so bedacht.

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    1. Hey Alex!

      Der Sion kommt in der Geschichte (leider) nicht vor – das hast du richtig erkannt. Etwa zeitgleich mit Teslas Einführung der Standard-Reichweite Plus hat Sono Motors die Auslieferung des Sions zum ersten Mal verschoben. Wir konnten (und wollten) nicht so lange warten. Deshalb fiel unsere Wahl im Sommer auf Tesla. Wäre der Sion schon auf dem Markt, hätten wir jetzt kein Model 3.

      Ich finde Sono Motors, den Sion und die gesamte Firmenpolitik noch immer großartig. Leider kommt der Sion für uns zu spät. Deshalb haben wir unsere Reservierung storniert. Die Stornierung läuft gerade noch. Ich werde dazu bald auch noch etwas schreiben.

      Lieben Gruß!

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    2. Und Alex, zur den Kosten (TOC):

      Es lohnt sich wirklich mal zu rechnen was ein Auto insgesamt kostet. Werkstattrechnungen, Kraftstoffkosten und am Ende natürlich der Wiederverkauf…

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