WARUM ES SICH LOHNT VEGAN ZU LEBEN

Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich heute vegan leben und in 2:51 Stunden einen Marathon rennen würde, hätte ich gelacht und weiter an meiner Salamipizza geknabbert. Damals war ich noch nicht bereit.

2011 lag meine Halbmarathonbestzeit bei 1:43 Stunden. Nach diesem Wettkampf lief ich lange Zeit keinen Halbmarathon mehr, ich lief fast gar nicht mehr. In den Jahren 2013-2015 rannte ich zusammengerechnet keine 500 Kilometer – eine Distanz, die ich vor wenigen Monaten in etwas über vier Wochen während des Marathontrainings zurücklegte.

Das Laufen und die Ernährung waren mir vor fünf Jahren noch nicht wichtig. Ich machte mir Gedanken über den nächsten Urlaub, wie man mit Torbjörn in Overwatch am besten die Fracht begleitet oder wann die nächste Staffel Homeland erscheint. Dabei ernährte ich mich hauptsächlich von Nudeln mit Pesto und Tiefkühlpizza. In dieser Zeit fragte mich niemand, ob ich über meine Ernährung alle wichtigen Nährstoffe bekomme oder ob ich gut versorgt bin und mich leistungsfähig fühle.

Alles veränderte sich, als ich mich im Sommer 2017 für eine rein pflanzliche Lebensweise entschied. Ich beschäftigte mich von diesem Zeitpunkt an immer mehr mit meiner Ernährung und hatte plötzlich Spaß am Kochen. Wie viele Menschen assoziierte ich anfangs Verzicht und Einschränkungen mit dem Veganismus.

Tatsächlich erlebte ich das Gegenteil davon. Herzhafte Galette, Flammkuchen, Kartoffelcurry mit Kichererbsen und Spinat (mein absolutes Lieblingsgericht vor dem Marathon, schmeckt am besten im Zwei und Zwanzig!) oder die „Longrun-Pizza“ von Scott Jurek – die pflanzliche Küche ist abwechslungsreich, lecker und hat das Potential, gut geplant und vollwertig, den Nährstoffbedarf in allen Lebensphasen zu decken.


Aber warum vegan? Die Albert Schweitzer Stiftung fasst diese Frage gut zusammen:

Der häufigste Weg zum Veganismus führt über die ethisch motivierte vegetarische Ernährung: VegetarierInnen essen kein Fleisch und keinen Fisch, weil sie nicht für das Töten/Schlachten von Tieren mitverantwortlich sein möchten. Wenn diese Menschen erfahren, dass auch die Produktion von Milch und Eiern unabhängig von der Haltungsform nicht ohne das Töten von Tieren auskommt, entscheiden sie sich häufig für die vegane Ernährung. Zur Erläuterung: Milchkühe werden geschlachtet, sobald ihre »Milchleistung« nachlässt (meist nach wenigen Jahren). Zudem werden die Kühe künstlich geschwängert, damit sie Milch geben. Ihre männlichen Nachkommen finden in fast allen Fällen einen sehr frühen Tod (»Kalbsfleisch«), während die weiblichen Nachkommen häufig selbst Milchkühe werden (mit demselben Schicksal ihrer Mutter). Eier werden u. a. gemieden, weil bei der Züchtung von Legehennen zu 50 % männliche Küken entstehen, die direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und lebendig in einen Schredder geworfen oder vergast werden.

In Deutschland essen wir im Durchschnitt jährlich 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf. Das macht über 750 Millionen geschlachtete Tiere pro Jahr – Fische und Meerestiere nicht berücksichtigt.

Ich habe mich nie gefragt, wo diese Tiere leben. Die Tierfabriken sind unsichtbar für uns. Wenn es dort Fenster gäbe, würden wir kein Fleisch mehr essen. Wir würden schnell erkennen, dass die gegenwärtige Form der Tierhaltung ethisch nicht zu rechtfertigen ist. Aber wir setzen uns damit nicht auseinander. Wir blenden die Realität in den Massentierhaltungsanlagen aus und sagen, dass es in Ordnung ist, Fleisch zu essen, weil der Mensch das schließlich seit Jahrtausenden so macht.

Wir essen heute Fleisch, weil wir es wollen, weil es uns schmeckt und weil wir es gewohnt sind. Nicht weil wir es müssen.

„Der effektivste Weg, die Wirklichkeit zu verzerren, ist sie zu leugnen. Wenn wir uns sagen, es gibt kein Problem, dann müssen wir uns auch nie darüber Gedanken machen, wie wir es lösen. Und der effektivste Weg, einen realen Sachverhalt zu leugnen, ist ihn unsichtbar zu machen.“

Melanie Joy, Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen

Bei mir hat es über 25 Jahre gedauert, bis diese Tiere für mich sichtbar wurden. Es gibt genügend Aufnahmen und Dokumentationen, die genau dieses Leid zeigen. Das Internet ist voll davon. Bei mir waren es die Umweltauswirkungen der industriellen Tierhaltung, durch die ich anfing genauer hinzuschauen.


Meine Frau und ich hörten irgendwann im Jahr 2016 auf Fleisch zu essen. Gleichzeitig verdoppelten wir den Konsum von Milchprodukten. Wir wollten nicht, dass Tiere für unseren Genuss getötet werden, aßen aber mehr Käse, als je zuvor – bis uns die Zusammenhänge bewusst wurden. (Danke Stefan!)

Danach dauerte es noch kurze Zeit bis ich am 10. Juli 2017 beschloss, es ohne Tierprodukte zu versuchen. Damals wusste ich noch nicht, dass es eine bis heute andauernde Entscheidung werden würde. Mir war auch nicht klar, welche positiven Veränderungen dieser eine Entschluss in mein Leben bringen würde.

Einige vegane Athleten berichten von erhöhter Leistungsfähigkeit und verkürzter Regeneration durch den Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung. Ich habe mit dem Verzicht auf alle tierischen Produkte auch meinen Trainingsumfang gesteigert und wenige Monate später die Zusammenarbeit mit meinem Trainer Markus begonnen. Laufen und Veganismus haben sich parallel entwickelt. Eine Kombination aus konsequentem Training, gutem Essen und einem starken Willen haben mich zu dem Läufer gemacht, der ich heute bin.

Was ich in dieser Zeit gelernt habe ist, dass niemand Tiere essen muss, um schnell oder stark zu sein.

Glücklicherweise gibt es viele Menschen, die sich seit einigen Jahren mit der veganen Ernährung beschäftigen. Ein Umstieg war 2017 schon nicht schwer und ist heute noch einfacher.

„Heute können große Teile der Menschheit vegan und zugleich „normal“ leben, man muss dafür weder ein indischer Fakir, noch ein buddhistischer Mönch sein, man muss nicht mal am Prenzlauer Berg wohnen, sondern kann es in seinem ganz gewöhnlichen Alltag einfach tun. (…) Wenn das möglich ist, ist es dann auch geboten? Das Töten von Tieren grundsätzlich abzulehnen erscheint jedem instinktiv als ein starkes moralisches Urteil, doch heute ist klar: Das Töten von Tieren legitim zu finden ist ebenfalls ein starkes moralisches Urteil. Und mindestens genauso schwer zu begründen.“

Bernd Ulrich, Alles wird anders

Zum Jahreswechsel nehmen wir uns gerne vor, positive Veränderungen in unser Leben zu bringen. Wie wäre es mit einem veganen Januar?

Die Tiere haben keine Stimme. Wenn nur einer von Euch nach diesem Beitrag erkennt, dass auch die Tiere, die nicht als Hund oder Katze geboren werden, Mitgefühl verdienen, hat sich dieser Blog für mich gelohnt.


Der beVegt-Podcast, der VeggieWorld-Podcast und einfach Vegan – der Forscherpodcast haben mir beim Umstieg sehr geholfen.

Zu kritischen Nährstoffen der veganen Ernährung hat der studierte Ernährungsfachmann Niko Rittenau ein Buch geschrieben. Vegan-Klischee ade! Sein geballtes Wissen stellt er auch komprimiert und kostenlos auf seinem YouTube Kanal zur Verfügung. Vermutlich war er inzwischen in fast jedem deutschsprachigen Podcast, der sich mit Veganismus und gesunder Ernährung beschäftigt, zu Gast.

Beim Kochen orientieren wir uns an der Grain-Green-Been-Formel von Katrin und Daniel von beVegt.de. Weitere Inspirationen gibt es noch bei eat-this und Sebastian Copien.


Anmerkung: Ich habe keine Aktien von veganen Unternehmen und bekomme kein Geld für das Verbreiten dieser Botschaft – auch nicht von den Betreibern der verlinkten Seiten.

3 Kommentare zu „WARUM ES SICH LOHNT VEGAN ZU LEBEN

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